Durchaus einige Lichtblicke

21. September 2009

Dream Theater spielen demnächst in Berlin und ich nehme das jetzt einfach mal als unkreativen Aufhänger dafür, endlich mal die Rezension ihrer letzte Platte Black Clouds & Silver Linings nachzuholen.

CD rein, los gehts. “A Nightmare to Remember”: Donner, Regen, Geatme. Jaja, wieder eines dieses bedeutungsschwangeren Prog-Intros. Klaviergeklimper. Sag ich doch. Auf einmal machts Krach. Das wäre an sich nicht besonders überraschend, im Gegenteil. Aber die Art, wie es dort Krach macht, ließ mich beim ersten Hören daran zweifeln, ob hier wirklich die neue Dream Theater im Laufwerk liegt oder nicht doch das letzte Werk von Cradle of Filth. Somit gibt es schon mal einen Überraschungsbonus für die Herren. Leider geht das nicht so weiter. Denn was danach kommt, ist zwar kein “nightmare”, aber auch nicht wirklich “to remember”. DT-Standardkost. Vielleicht etwas härter als normal, aber alles in allem nicht weltbewegend. Jordan Rudess sollte sich dringend was Neues für seine Soli einfallen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »

Lizenz zum Lästern

31. August 2009

Wenn man auf Reisen im Ausland ist, ja das ist toll, da kann man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und sich munter in seiner eigenen Sprache über die Mitfahrer aufregen, ohne Sanktionen zu fürchten. Das dachten sich wohl auch die beiden Französinnen, die heute mit mir in der S-Bahn standen. Doof nur, dass Französisch doch auch von dem ein oder anderen Deutschen verstanden wird. Ich konnte mir jedenfalls das Lachen ob der Unbedarftheit der beiden Damen, mit der sie ihre Kommentare äußerten, kaum verkneifen. Zunächst quittierten sie das Herumgehopse eines kleinen Jungen nur mit einem “Je déteste les gamins” – Kinder mochten sie also nicht. Als sie besagtes Kind kurz darauf an einen nebenan stehenden Hund verfüttern wollten, musste ich mich wirklich wegdrehen, um nicht durch ein Grinsen zu verraten, dass die beiden Damen nicht die Einzigen im Zug waren, die mit Französisch etwas anfangen konnten.

Und ich fragte mich nur noch, was lustiger ist: Sich zu erkennen geben und auf die beschämten Reaktionen warten, oder still zuhören und sich innerlich totlachen, immer ein “Wenn die wüssten” im Hinterkopf.

Nachtrag: Fripps Aphorismen

14. August 2009

Jetzt ist mir aber doch tatsächlich noch ein schöner Fripp-Aphorismus untergekommen:

Music is the cup which holds the wine of silence.
Sound is that cup, but empty.
Noise is that cup, but broken.

Wie dazu wohl die analoge Vista-Fehlermeldung lauten würde?

Dass man mitunter ein Virtuose sein muss, um Betriebssysteme von Microsoft zu bedienen, wusste ich ja schon, aber dass sich Microsoft für die klangliche Untermalung  eines besonders schwergängigen Stückes Software, nämlich des scheidenden Windows Vista, auch virtuose Sounduntermalung geholt hat, ließ mir gerade fast die Kinnlade auf die Tastatur fallen.

Robert Fripp, ja DER Robert Fripp, treibende Kraft hinter dem Prog-Dinosaurier King Crimson, hat Systemssounds für Windows Vista kreiert. Wer es nicht glaubt: Hier und hier gibt es die entsprechenden Videos.

Nun ja, auch Herr Fripp soll ja so seine Marotten haben. Von daher liegt beides wohl näher als man glaubt. Schwergängig und kompliziert sind seine Stücke allemal und um die Windungen eines guten Crimson Songs nachvollziehen zu können, ist wohl ein ähnliches Maß an Erfahrung nötig, wie für das Verfolgen der Irrungen und Wirrungen diverser Microsoft-Programmierer (Ich frage mich gerade, ob es bei MS auch Programmiererinnen gibt. Weiß da jemand mehr?). Im Übrigen haben Fripps berühmte Aphorismen auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Windows-Systemmeldungen. Da schließt sich doch der Kreis. Aber auch nur fast. Denn irgendwie macht Crimson (Fripps Solo-Ergüsse sind mir leider unbekannt) deutlich mehr Spaß als Windows Vista.

Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Nun, ich hörte gerade das erst gestern erworbene großartige Live-Album The Great Deceiver der 73/74er Crimson-Inkarnation, wollte mich auf Wikipedia etwas zu Herrn Fripp bilden und schon stolperte ich über diese unerwartete Information.

Eine Frage treibt mich jetzt noch um. Wenn Fripp (fast) so wie Vista ist, welcher Musiker ist dann wie Ubuntu? Mein erster Vorschlag: John Myung. Dezent im Hintergrund, aber doch äußerst virtuos. Andere Vorschläge?

Lustige Punks

19. Juli 2009

Traurig ist es, wenn Leute betteln müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Lustig ist es hingegen, wenn man denjenigen, die gerade noch vor der Supermarkttür geschnorrt haben, kurz darauf an der Kasse begegnet, wo sie ihre zwei Oettinger mit EC-Karte bezahlen wollen. Dumm nur, dass in meinem Stammsupermarkt die EC-Zahlung erst ab 5 Euro Warenwert möglich ist. So musste die junge Punk-Frau, der genau das letztens in meiner Gegenwart passierte, scheinbar unverrichteter Dinge von dannen ziehen. Doch so schnell ließ sie sich natürlich nicht in die Flucht schlagen, denn draußen stand ja noch ihr Kumpel, der offenbar die Tageseinnahmen verwaltete und dementsprechend liquide war. So konnte sie dann, mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, wieder an die Kasse zurückkehren und endlich ihr wohlverdientes Oettinger bezahlen, über das sich in der Zwischenzeit schon fast ihr Kassenschlangennachfolger hergemacht hätte. Als sie dann, den lang ersehnten Schatz in den Händen, den Supermarkt verließ, hörte ich sie nur in bewusst deutlich vernehmbarer Lautstärke maulen: “Hat sich nich ma entschuldigt.” Denn offenbar hat sie die 5-EUR-Grenze als schweren Einschnitt in ihre Persönlichkeitsrechte betrachtet.

Und wo wir gerade bei lustigen Punks sind: Ich konnte meinen Ohren kaum trauen, als, vor einer ganzen Weile schon, ein Punk in der U-Bahn laut die im Berliner Fenster angezeigten Währungskurse kommentierte und dann einem Wachmann, der auf dem Weg nach Hause war, erzählte, dass er sein Geld bei günstigen Kursen immer in Zloty umtausche, um es dann, wenn die Kurse wieder gestiegen sind, in Euro zurückzutauschen. Da könne man richtig Gewinn machen.

Ich war mir nicht mal sicher, ob er das ironisch meinte…

Vor knapp einem Jahr hatte ich das Vergnügen, an einer Party im – sagen wir mal – sehr studentischen ST Club in Rostock teilzunehmen. Der Alkohol war saubillig und dementsprechend benahmen sich auch die Leute. (Ganz nebenbei, der Eintritt in Flip-Flops war untersagt, da man wegen der von Glasscherben übersäten Tanzfläche nicht für die Sicherheit so leicht beschuht Tanzender garantieren konnte). Die Zusammensetzung des Publikums entsprach im Wesentlichen der rockigen Musikauswahl, sodass man glücklicherweise von glitzernden, aufgetakelten und Parfümduft hinter sich herziehenden Hupfdohlen und Hupfdohlern verschont blieb.

Plötzlich, der Abend war schon forgeschritten, ertönte zwischen Nirvana und habichvergessen David Hasselhoffs “I’ve been looking for freedom”. Den Rest des Beitrags lesen »

Geständnis

20. Juni 2009

Wie ein Kind fühlte ich mich, unschuldig, unfähig, den eigenen Willen umzusetzen. Wie ein unmündiges Etwas, dem der Zugang zu enorm Wichtigen verwehrt wird. Der Wille war da, ein großes Potenzial, das sich angestaut hatte, doch versagte ob einer simplen Sperre. Ich konnte nichts tun, jeder Versuch, den Widerstand zu überwinden konnte nichts als fehlschlagen. Und doch versuchte ich es weiter. Das Gefühl der eigenen Ohnmächtigkeit im Rücken, gelang es mir nur gerade so, mich weiterhin für das fast Unvollbringbare, das Weitentfernte, außerhalb der Reichweite seiende, jenes Fast-Jenseitige zu motivieren. Ich versuchte es weiter und weiter, mit aller Kraft, jene eigene Unfähigkeit zu transzendieren, mich nicht den Zwängen hinzugeben, die andere über mich erlassen hatten. Andere, unbekannte Wesen, deren Machenschaften sich nur in der Materialität ihrer Hinterlassenschaften ablesen ließen. Ob sie diesen Moment vorausgesehen hatten, an dem ich, an meinen Fähigkeiten, meiner Mündigkeit zweifelnd und theoretisch doch zum Undenkbaren in der Lage beinahe den Glauben an mich verlor? Ob sie ihn gar bewusst, mit geschickten Winkelzügen vorbereitet hatten, kühl und berechnend in Kauf nehmend, ein Individuum damit in den Ruin zu treiben? Es wäre gut möglich. Doch das scheinbar ausweglose Unterfangen sollte unter größter Kraftanstrengung, unter dem Zusammennehmen meiner gesamten Kräfte und meiner Fähigkeit, als Individuum mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, dann doch gelingen.

Ja ich gebe es zu: Den Rest des Beitrags lesen »

Über ein Joker-Wort der übelsten Sorte beschwerte sich Kollege Jarchow neulich:

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Um ein wenig weiter dahinter zu kommen, begab  sich Jarchow auf den Pfad der Begrifssgeschichte und verfolgte die Geschichte des “Schrumpf-Dingsda” von kurzgewachsenen Römern bis hin zum Bologna-Prozess. Doch halt: Auf dem Weg dorthin vergaß er eine äußerst wichtige Station: Denn nicht erst seit Bologna machen Module dem Verstand junger Menschen zu schaffen. Den Rest des Beitrags lesen »

Anstatt  das Ausbleiben neuer, guter Auswüchse ihres Lieblings-Franchise zu betrauern, dachten sich einige us-amerikanischen Trekker: “Das können wir besser!” und starteten 2000 die kostenlose, via Internet verbreitete Fanserie Hidden Frontier [via]. Bis 2007 drehten sie insgesamt 50 Episoden, ohne großes Budget, dafür aber mit umso mehr Enthusiasmus.

Wie es sich mittlerweile für eine gute SciFi-Serie gehört, besteht Hidden Frontier nicht aus den früher üblichen Komische-Spezies-der-Woche-Folgen oder Anomalie-des-Tages-Episoden, sondern weist einen durchgehenden Handlungsbogen auf: Die Serie handelt von der Crew der U.S.S. Excelsior, die auf der Raumstation Deep Space 12 im Orbit des aus Der Aufstand bekannten Planeten Ba’ku stationiert ist. Dreh und Angelpunkt der Serie ist der angrenzende, zunächst weitestgehend unerforschte Briar Patch, eine Region des Weltraums voller merkwürdiger Phänomene die erst nach und nach hervortreten. Den Rest des Beitrags lesen »

Gaius Pupus

21. Mai 2009

Kennt hier jemand noch Gaius Pupus? Jenen kleinen, merkwürdig laufenden Römer mit der dauerhaft gelangweilten Stimme aus Asterix erobert Rom, der den beiden Galliern ihre jeweils aktuellen Aufgaben vorliest und deren Erfüllung dann ordnungsgemäß auf einer Wachstafel abstreicht?

Ich muss jedes Mal an den denken, wenn ich endlich nach halbstündigem desorientierten Hin-und-Her-Steuer in meinem Supermarkt des Vertrauens (es ist ein Bolle) alles zusammen habe und dann endlich an der Kasse stehe. Die eine Kassiererin da hat haargenau die gleiche Stimme, spricht genauso dauergelangweilt und mit derselben Nasalität. Ich muss jedes Mal grinsen und -ja-  fühle mich an meine Kindheit erinnert. Denn schließlich war und schätzungsweise auch ist Asterix erobert Rom der Film, den ich am häufigsten in meinem Leben gesehen habe.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.