Fronkreisch

6. März 2008

Ich dachte, ich schreibe mal was über Frankreich. Das Land der Gourmets, das Land der Liebe, das Land des Weins. Das Land, in dem es auf den Bürgersteigen mehr Hundekacke gibt, als in Friedrichshain, das Land, das jeden August in völlige Lethargie verfällt, das Land, das mit seinem unglaublich komplizierten und schwerfälligen Verwaltungsapparat selbst bürokratiegeile deutsche Beamte neidisch macht?

Was ist das eigentlich für ein Land, gelegen zwischen Ärmelkanal und Mittelmeer, zwischen Rhein und Atlantik, zwischen ääähh Lebensfreude und Borniertheit?

So jetzt ist aber mal Schluss mit den Gegenüberstellungen, die so klingen, als hätte ich sie aus der letzten 3Sat-Doku geklaut. Frankreich hat schon was. Nicht, dass ich jetzt der totale Frankreich-Kenner wäre, aber Frankreich hat was. Schöne Landschaft, schöne Städte und vor allem gutes Essen! Wenn ich nur an Entrecôte, Foie gras, Canard à l’orange, an Salade de chèvre chaud oder auch an einen frischen, warmen Fondant au chocolat denke,…. hmmm. Wer solche Sachen nicht mag, hat kein Herz (ja ich übertreibe), oder ist Vegetarier (jetzt mal abgesehen von den beiden letztgenannten Dingen, die ja durchaus auch vegetarierkompatibel wären)[Disclaimer: Ich will damit nicht sagen, dass Vegetarier kein Herz hätten.][Anmerkung: Sorry für die vielen Einschübe, man sollte hier eine Fußnotenfunktion einbauen ;-)]. Als Vegetatrier hätte man, glaube ich, in Frankreich, nicht allzu viel zu lachen (bzw. zu essen). Generell scheint man dort, trotz der höheren Preise, noch fleischverrückter zu sein, als bei uns.

Die hohen Preise (vor allem für Essen) sind auch so ein Ding, denn sie sind vielen Franzosen offensichtlich völlig schnuppe. Für gutes Essen und gute Getränke gibt man auch mal gerne etwas mehr aus. Und so ist es dann keine Seltenheit, dass „ganz normale Leute“ locker mal 50 EUR (pro Person!) im Restaurant ausgeben, was einfach dadurch zustandekommt, dass man natürlich nicht mal so nach deutscher Sitte einfach ein Hauptgericht kommen lässt, was man dann in 20 min verputzt, bevor es direkt wieder nach Hause geht. Nenene, also zumindest ne Vorspeise muss bei unseren westlichen Nachbarn schon sein, und eigentlich auch ein Aperitiv, und eigentlich auch ein Dessert, und eigentlich auch ein Digestiv, und eigentlich auch ein Kaffee usw. Und natürlich lässt man sich beim Essen Zeit und quatscht, tauscht sich aus. Ich wurde mehrmals etwas komisch angekuckt, weil ich einfach nur da saß und schweigsam von meinem Teller löffelte. Trotzdem, von dieser Kultur könnte man sich ab und zu mal eine Scheibe abschneiden (und das machen ja auch viele).

Anderes ist dagegen wirklich eigenartig. Sauberkeit. Jeder besch*****e Kreisverkehr wird sorgfältigst bepflanzt, mit allem Pipapo, und natürlich auch regelmäßig bewässert. Teilweise werden in die Mitte auch noch irgendwelche Statuen gestellt, oder Steintore. Das Schlimmste, was ich gesehen habe, war die goldene Skulptur eines Rehs. Ja, ein Reh! In der Mitte eines Kreisverkehrs. Und zwar ein kitschiges Reh!!! Andererseits, geht man dann in die Stadt hinein (ich kenne das zumindest von Bordeaux), ists aus mit der Sauberkeit. Überall Müll und, wie eingangs erwähnt, vielvielviel Hundescheiße, und das sage ich als kampferprobter (Wahl-)Berliner. Man kann sich gar nicht die wunderschönen Gebäude ankucken, denn dazu müsste man ja den Kopf heben und sich damit der Gefahr aussetzen, die nächste Tretmine nicht zu sehen.

Und die Ferienzeit, das ist auch so eine Sache. Ich hatte das Vergnügen, den gesamten letzten August in Frankreich zu verbringen. Und im August ist ganz Frankreich bekanntermaßen im Urlaub. Sprich: die Hälfte der Restaurants, Läden usw. hat zu. Bei Ämtern, Banken, Versicherungen, sind zwar irgendwelche Leute da. Aber diese scheinen nur die letzten Deppen zu sein, Entscheidungen dürfen sie jedenfalls nicht treffen. Man sollte demnach zu dieser Zeit bloß nichts dringend wollen oder brauchen, was eines Behördenganges o.Ä. bedürfe.

Behörden, auch so ein Thema. Ich glaube ernsthaft, dass es dort noch wesentlich bürokratischer zugeht, als in Deutschland. Jede Funktion des Behördenapparates scheint auf mehrere Ämter aufgeteilt zu sein, die selbstverständlich nicht miteinander kommunizieren (ok, das kann natürlich auch durchaus gut sein, aber trotzdem). Beispiel: Ich bin mir nicht sicher, aber so wie ich das verstanden hab, wird das, was bei uns von den „Agenturen für Arbeit“ gemacht wird, in Frankreich schon mal von drei unterschiedlichen Ämtern gemacht (Assédic, DDTEFP und ANPE, ich hoff, ich erzähl hier keine Scheiße, aber eine kurze Wiki-Recherche schien dies zu bestätigen). Dass sich dieser Ämter natürlich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, sondern schön über die Stadt verteilt sind, braucht wohl nicht mehr erwähnt zu werden.

Hach, aber eigentlich sollte ich nicht so viel meckern oder Frankreich. Beim Gedanken daran, dort an einem sonnigen Sonntagmorgen auf der Terrasse eines Cafés zu sitzen, auf dem Tisch zwei noch warme Chocolatines, dazu einen doppelten Café, langsam erwacht die Stadt, das Treiben beginnt und man sitzt an seinem Tischchen und nippt genüsslich am Kaffee; bei diesem Gedanken werden mir Behörden, Ferien-Lethargie und kitschige Rehe eigentlich völlig egal.

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