Gitarristen aller Welt, vereinigt euch! Und bringt euer Arbeitsgerät in eine anständige Position. Das ist z.B. eindeutig zu tief. So ists schon wesentlich besser. Das ist allerdings schon fast zu hoch…

Wie dem auch sei, seine Gitarre hochzuhängen ist cool, das muss jetzt mal gesagt werden. Es muss ja nicht gleich bis zum Kinn sein, aber vorm Bauch, das ist schon in Ordnung. Hört nicht auf die, die meinen, das wäre uncool und dafür plädieren, seine Gitarre als Knieschützer zu verwenden. So kriegt man ja nicht mal die einfachsten Wandergriffe gespielt. Und das sagt ja schon einiges über die Qualität der Musik dieser „Coolen“ aus.

Neinneinnein, hochhängende Gitarren ermöglichen es, hübsche Solos zu schrubben und wers braucht kann auch noch so noch wunderbar posen. Besonders nerdig ist es, wenn man sich ein hübsches Kistchen auf die Bühne packt, auf dem man bei besonders schwierigen Passagen den Fuß abstellt. Der nun angewinkelte Oberschenkel eignet sich perfekt, um die Klampfe darauf abzulegen (hier zu sehen). Nerdig ist es, aber sympathisch nerdig, nicht so wie das pseudo-nerdig-intellektuelle Dilletanten-Getue von diversen Bands der achso tollen Hamburger Schule (um nur mal ein Beispiel zu nennen). Ich komme vom Thema ab, aber das muss wohl raus, ich mag diese Art Musik nicht, genausowenig, wie das, was die meisten der sogenannten „The-Bands“ in die Welt setzen. Ich kann wirklich nicht verstehen, was man daran finden kann, aber det is ja nur meine Meinung.

NP (passenderweise): Liquid Tension Experiment – Paradigm Shift (yes!!!!)

Übrigens: Der einzige der trotz tiefer Gitarre die verrücktesten Sachen spielen kann, ist Herr Vai, aber der ist ja sowieso nicht von diesem Planeten.

Aber nein, so ist es nicht. Kai Diekmann, ein Subjekt, das aus den Schamhaaren von Göttergatten Korrespondentenberichte entgegennimmt, ist ein geschätzter und gefragter Mann, der sich und aller Welt seine Adresse im Rinnstein („Schumi exklusiv – Ich bin immer noch geil auf Siege!“) als „Boulevard“ schöngeredet hat. Patricia Riekel, die Chefin des unsäglichen Käseblatts Bunte, hat ihrem Kompagnon Diekmann beigepflichtet: Die Berichterstattung über die Seitensprünge von Prinzen, Prinzessinnen und Schlagerwürstchen sei nun einmal „People-Journalismus“. Wieder andere sagen „Pop“ dazu und erbauen sich an ihrer zynischen Unterscheidungskunst. Es ist aber weder Boulevard noch Pop und schon gar keine ehrwürdige „Barrikade der Straße“ (Kai Diekmann), sondern die Regierungserklärung einer Klosettmoral, wenn Bild die vor Gericht vergossenen Tränen eines angeblichen Vergewaltigungsopfers oder der Gattin eines Botschafters, die eine Fehlgeburt erlitten hat, auf Seite 1 ediert und sich daran hochzieht.

Das ist nur ein kleiner Auszug eines bereits 2005 erschienen – und trotzdem längst nicht veralteten – Artikels über die BILD, der zunächst im Merkur und später in der taz erschien (Link zum Artikel im taz-Archiv). Köstlich. Und stilistisch wirklich wunderbar.

(via genderblog)

Portishead in Portishead

12. April 2008

Das war er also, der Livestream von Portishead:

Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund will mir WordPress das Video nicht einbinden, deshalb hier nur der Link.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Portishead live so gut funktionieren können, für mich hatten sie immer eher so ein „elektronisches“ Studio-Feeling. Weit gefehlt. Dieses Konzert gehört wirklich in Kategorie „Gänsehaut“. Unglaublich, mit wie wenig Tönen die Band so viel Stimmung und Spannung erzeugt. Dabei fällt man nie in „typische“ Rock-Arrangements oder dergleichen zurück. Die Instrumentierung bleibt stets ungewöhnlich, der Klang oft spröde und zerbrechlich. So gesehen liefert die Band hier ein Meisterstück in Sachen Minimalismus ab. Und mir gefällt’s, obwohl ich, was Musik betrifft, eigentlich überhaupt nicht ein Anhänger der Weniger-ist-mehr-Fraktion bin. Ja, Angst muss ich fast haben, dass mir Protishead die Liebe zum Prog austreiben…

Besonders erwähnt werden muss der bereits zuvor veröffentlichte Song „Machine Gun“ (21:00): Zuerst dieses simple E-Drum-Motiv und dazu dann, fast verloren wirkend, die Stimme von Beth Gibbons, die merkwürdigerweise gleichzeitig leidend und trotzdem so präsent klingt. Gänsehaut. Dann wird der Haupt-Rhythmus ordentlich durch die Effektmangel gedreht und es folgt eine Stelle, die fast an Bombast erinnernt und mich irgendwie an Genesis aus den 80ern denken lässt [sic]. Aprubt endet der Song, man ist geneigt, die (im streamenden Video natürlich gar nicht vorhandene) Repeat-Taste zu drücken…

Portishead spielen heute Abend sieben Stücke ihres neuen Albums und übertragen die Performance live im Web (Link). Allerdings ist zuvor eine Anmeldung eforderlich, die man wohl besser nicht erst fünf Minuten vorher macht…

Wahnsinnig viel kenn ich von denen nicht. Das was ich kenne, sagt mir allerdings durchaus zu (vor allem als Abwechslung zu dem ganzen Prog-Stress…) Ich bin gespannt.

via via

South Park lässt mich nicht los, vorhin auflachen lies mich folgender Satz (Folge 714: Raisins):

I’d rather be a crying little pussy than a faggy goth kid.

(Gesagt vom deprimierten, weil von seiner vermeintlichen Freundin verlassenen Butters, dem angeboten wird, einer furchtbar „non-konformistischen“, dauerdepressiven und pseudo-intellektuell und -schmerzvoll daherredenden Gothic-Clique beizutreten.)

In diesem Sinne: Gute Nacht!

Wie angedroht, sollen auch meine letzten Reiseerfahrungen hier ihren Platz finden. Diese kleine Begebenheit trug sich auf der Torre Tavira in Cádiz zu. In diesem Turm gibt es eine camara obscura, d.h. einen dunklen Raum, in dem die aktuelle Sicht auf die Stadt per Spiegel auf eine Leinwand projiziert wird. Durch Drehen des Spiegels konnte man nach und nach einen Rundumblick auf diese wunderschöne Stadt gewinnen. Eine Angestellte des Turmes gab die entsprechenden Erklärungen dazu, eine Stadtführung von oben sozusagen: immer zuerst einen Teil auf Spanisch, dann auf Englisch. Kurz vor Ende der Vorstellung richtete sich unser Blick auf die Neustadt und ihren sehr sehr langen Strand…

Nun ist es ja so, dass das Spanische keinen Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen kennt. Eine spanische Muttersprachlerin hat also Schwierigkeiten, etwa ein kurzes von einem langen I zu unterschieden. Somit wird das Wort „beach“ auch mal ganz schnell zum Wort naaaa? Zu welchem Wort? Und genau das passierte bei der Erklärung zur oben beschriebenen Szenerie. Die Dame sagte:

And now we can see the New Town, where there are all the bitches. And these little spots here are the people who are in the bitches. (Das englische ältere Ehepaar neben mir lächelte wissend.)

Autsch.

Drumstick

9. April 2008

Mark warf vor einiger Zeit ein Musik-Stöckchen, oder, wie er es passenderweise nennt, einen Taktstock. Da dacht ich mir, nehm ichs doch mal auf:

1. Nenne einen Song, der Dich vom Text ganz besonders berührt und begründe

Dream Theater – Endless Sacrifice. Mit diesem Lied ist für mich eine ziemlich persönliche „Situation“ verbunden. Auch wenn diese jetzt vorbei ist, berührt mich der Gedanke daran immer noch (sorry for the kitsch).

2. Nenne einen Song, der Dich von der Musik ganz besonders berührt und begründe

Schwierig. Spontan fiele mir da Genesis – Dancing with the Moonlit Knight ein (hier habe ich mich schon mal dazu ausgelassen). Ich kann es nur wiederholen: Das Melltron ist einfach gänsehautig-göttlich und überhaupt die Stimmung und der Gesang und und und und…

Kleiner Einschub: Von Text und Musik her absolut berührend finde ich Arnold Schönbergs „A Survivor from Warsaw“, fällt bei dem ganzen Rock-Krams hier zwar etwas aus dem Rahmen (ist auch kein „Song“ im eigentlichen Sinne), verdient es aber auf jeden Fall, genannt zu werden

3. Welchen Song hättest Du gerne geschrieben und warum?

Oula. Zwei Varianten: Dream Theater – Metropolis Pt. 1, weil der Instrumentalteil einfach göttlich ist (der Rest auch) und Änglagard – Skogsranden, weil mir einfach nicht klar ist, wie menschliche Wesen so etwas schreiben können. Hätte ich das Stück selber geschrieben, wüsste ich es wohl.

4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of

Immer diese Best-ofs. Und dann auch nur fünf. Naaaaaaagut.

1. Deep Purple – Smoke on the Water (die Version von „Made in Japan“, nicht diese schnarchige Studioversion, die klingt, als hätte man sie beim Kaffeetrinken im Schweizer Altenheim aufgenommen)

2. Dream Theater – Metropolis Pt. 1

3. Aphex Twin – Girl/Boy

4. Dream Theater (noch mal, weils so schön ist) – A Change of Seasons

5. Änglagard – Skogsranden (wobei mir die Entscheidung schwer fällt, welches ihrer Stücke in diese Liste gehören soll)

5. Und zum Schluss: Welche Musikscheibe beschützt Du wie Deinen Augapfel?

In Zeiten von Rechnern mit Festplatten ja nicht mehr so entscheidend, aber die beiden Änglagard-Scheiben sind mir schon wichtig (weil auch sehr schick verpackt)

Weiß nicht so recht, an wen ich es weiterreichen soll. Hmmm, vielleicht mag Refu ja? Ansonsten natürlich auch an jeden, der Lust hat.

South-Park-Folgen online

7. April 2008

Vorhin via Vionification gefunden: Es gibt jetzt sämtliche South-Park-Folgen im Netz zum kostenlosen Ansehen (Link). Wenn das mal nicht genial ist.

P.S.: Meine Anspielempfehlung: Folge 912 – Trapped in the Closet. Das ist die „berühmte“ Folge, in der Scientology aufs Korn genommen wird, und R. Kelly gleich mit. Köstlich.

Soeben über 1000ff gefunden: Was passieren würde, wenn sich typisches Netz-Gebahren auf das wahre Leben ausbreitete.

Link zu Video 1

Link zu Video 2

Ja, es ist durchaus fragwürdig, ob Business-Meetings (Verzeihung: Geschäftstreffen) notwendigerweise zum wahren Leben gezählt werden müssen, aber das lassen wir jetzt einfach mal hintenrunterfallen.

Während meiner Abwesenheit scheint ja ziemlich viel über die Be.Berlin-Werbekampagne diskutiert worden zu sein (z.B. bei Don oder, in etwas anderer Form, bei Ahoi Polloi). Schnell griffen dann die Diskussionen auch auf die „Claims“ (was für ein äh tolles Wort) anderer Städte und Bundesländer über und natürlich wurde bemängelt, dass diese so oft in englischer Sprache seien, was diesen nicht immer zum Vorteil gereife. Don meinte dann aber:

Sachsen-Anhalt Land der Frühaufsteher zeigt, dass man sich auch ohne Englisch zum Volldeppen machen kann.

Ganz ehrlich, ich kann Dons selbstgefälliges Geschwafel und das Bashing von allem und von jedem, was nicht in sein ach so intellektuelles bayrisches Weltbild passt, meist nur schwer aushalten (warum lese ich eigentlich seine Blogs? Naja, schreiben kann er halt und ein bisschen Provokation passt mir manchmal ganz gut), aber hier hat er ausnahmsweise mal vollkommen recht. Die „Wir stehen früher auf“-Kampagne ist doch echt unsäglich, und das sag ich als in Sachsen-Anhalt Aufgewachsener. Auf einmal war Sachsen-Anhalt mal in irgendeiner Statistik Erster und schon musste man sich draufschmeißen. Aber was soll das eigentlich sein? „Wir stehen früher auf“? Was hat der potenzielle Tourist, Investor oder sonstwer davon, dass Sachsen-Anhalter im Schnitt ein paar Minuten eher aufstehen? Oder soll es eine Warnung sein? Vielleicht verlangen sachsen-anhaltische Hotels demnächst, dass ihre Gäste ihr Zimmer schon um 8 Uhr räumen, oder es werden wichtige Meetings einfach so auf 7 Uhr gelegt. Dann hätte der einheimische Verhandlungsteilnehmer natürlich einen deutlichen Vorteil, weil er ja frühes Aufstehen gewohnt ist, während sein gegenüber noch wie eine Heckenschere aus der Wäsche kuckt. Möglicherweise alles Taktik. Wer weiß.

Immerhin gibt es seit ein paar Wochen eine neue Kampagne, die zumindest etwas origineller ist: Bekannte Weltkulturerbestätten (à la Cheops-Pyramiden oder Chinesische Mauer) werden gezeigt und darüber steht dann der Hinweis „Mehr davon gibt es in Sachsen-Anhalt“. Es folgt der Verweis auf die in unmittelbarer Nähe zueinander liegenden drei Weltkulturerbestätten Luthergedenkstätten, Wörlitzer Gartenreich und Bauhaus. (Warum sind diese Plakate eigentlich nicht im Netz zu finden? Da haben die findigen, früh aufstehenden Marketingstrategen wohl etwas äh verpennt.) Aber auch auf diesen Plakaten taucht der unsägliche Claim leider auf.

Das haben die meisten anderen Bundesländer doch wirklich besser hinbekommen, „Wir können alles, außer hochdeutsch.“, fällt mir da ein oder „Immer wenn wir eine Party feiern, wird gleich Demokratie draus“ (als Verweis auf das Hambacher Fest) oder die Thüringer Kampagne, bei der man zunächst glaubt, man hatte das Bild eines norwegischen Fjordes vor sich, bis man dann die Aufschrift „So viel Norwegen gibt es in der Mitte Deutschlands“ (oder so ähnlich, kann mich nicht mehr genau erinnern) liest. Das ist doch alles origineller als „Wir stehen früher auf“. Somit haben sich die Frühaufsteher mal wieder auf den letzten Platz katapultiert.

Naja was solls, ich glaube ich gehe jetzt ins Bett und freue mich, dass ich als Wahl-Berliner das „Recht“ auf einige Schlafminuten mehr habe als in meiner alten Heimat.