Alt und trotzdem lesenswert: Gerhard Henschel über BILD

12. April 2008

Aber nein, so ist es nicht. Kai Diekmann, ein Subjekt, das aus den Schamhaaren von Göttergatten Korrespondentenberichte entgegennimmt, ist ein geschätzter und gefragter Mann, der sich und aller Welt seine Adresse im Rinnstein („Schumi exklusiv – Ich bin immer noch geil auf Siege!“) als „Boulevard“ schöngeredet hat. Patricia Riekel, die Chefin des unsäglichen Käseblatts Bunte, hat ihrem Kompagnon Diekmann beigepflichtet: Die Berichterstattung über die Seitensprünge von Prinzen, Prinzessinnen und Schlagerwürstchen sei nun einmal „People-Journalismus“. Wieder andere sagen „Pop“ dazu und erbauen sich an ihrer zynischen Unterscheidungskunst. Es ist aber weder Boulevard noch Pop und schon gar keine ehrwürdige „Barrikade der Straße“ (Kai Diekmann), sondern die Regierungserklärung einer Klosettmoral, wenn Bild die vor Gericht vergossenen Tränen eines angeblichen Vergewaltigungsopfers oder der Gattin eines Botschafters, die eine Fehlgeburt erlitten hat, auf Seite 1 ediert und sich daran hochzieht.

Das ist nur ein kleiner Auszug eines bereits 2005 erschienen – und trotzdem längst nicht veralteten – Artikels über die BILD, der zunächst im Merkur und später in der taz erschien (Link zum Artikel im taz-Archiv). Köstlich. Und stilistisch wirklich wunderbar.

(via genderblog)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: