Gurken und Salat – Eine Umfrage in der Fachwelt

3. Mai 2008

Wie verteilen Sie die Gurkenscheiben auf Ihrem Salat? Eine Frage, die die Menschheit bewegt. Wir haben verschiedene Personengruppen dazu befragt.

Knut Wagenteuer (Ästhet): So, wie es gut aussieht.

Christopherus von Nefari-Hunsrück (Ästhetiker): Nun ja, ich wählte zunächst ein Muster nach alten griechischen Beschreibungen, modifizierte dieses gemäß dem „Großen Lexicon der Gastrosophie, enthaltend alle Stichworte aus allen Bereichen der Gastrosophie und der angrenzenden Disziplinen. Fünfundzwanzigste, stark bearbeitete Auflage, mit wertvollen Anmerkungen meines geschätzen Freundes, dem Dr. Schnurwagen.“ von 1745, bastelte mir eine Schablone und legte die Scheiben auf. Anhand der generellen Problematik erörterte ich diverse wahrnehmungstheoretische Fragen und gelangte zu dem Schluss, dass zwischen Antike und Aufklärung trotz vordergrüdiger Ähnlichkeiten ein radikaler Bruch in der Technik, Gurkenscheiben auf den Salat zu legen, besteht. Vielen Dank, dass sie mir diese Frage gestellt haben, das ist genug Stoff für ein neues Buch. Falls sich dieses einigermaßen verkauft, kann ich mir demnächst vielleicht auch mal wieder Gurken leisten.

Jazz-Musiker (möchte lieber anonym bleiben): Gurken und Salat, wie kommt das eine zum andern? Jaja, gute Frage, hab ich mir auch schon öfter gestellt, als ich mal wieder nach einem spärlich besuchten Konzert an der Bar saß. Das ist fast so wie bei meinem letzten Arrangement von „All of me“, ja da wollte ich gewitzt von Es-Dur nach Des-Dur modulieren, so quasi per eigens kreierter Bridge und so. Ein Ton abwärts ist ja normalerweise ganz einfach: aus Dur wird Moll und dann II-V-I, aber das ist ja dann doch schon recht ausgelutscht. Oder vielleicht die Tonika zur Dominante machen und die dann als Tritonus-Substitut umdeuten, und das dann zwei mal? Hmmm, ob man darüber mit Ganztonskalen improvisieren kann? Wie? Was? Gurke? Achso ja, äh, das war die Frage, fällt mir auch nicht mehr dazu ein… Aber Herr Ober, bringense mir ma nochn Bier.

Orchestermusiker, 3. Bratsche in einem mittelgroßen deutschen Orchester (dto.): Damit das klar ist, ohne mein Notenblatt sag ich hier nichts.

Niklas Luhmann (Niklas Luhmann): Also zunächst habe ich in meinem Zettelkasten die richtige Stelle gesucht. In diesem Fall ist das die 4,24a/45.1: „Die Interdependenzen der Subsysteme ‚Eisbergsalat‘ und ‚Gurke'“, Unterpunkt der Abteilung „Triviales –> Lebendiges –> Menschen –> Nahrungsmittel –> pflanzlich –> grün“. Und da habe ich dann gefunden, dass es eigentlich völlig egal ist, wie ich die Gurken auf den Salat lege, da die genaue Position die Beziehung der beiden autopoietischen Subsysteme nicht beeinflusst. Viel schwieriger war es dann jedoch, den Zettel wieder an der richtigen Stelle in den Zettelkasten zu legen, da muss man wirklich aufpassen, denn wenn der einmal weg ist, dann kann man den also nur durch Zufall wiederfinden.

Valérie Gachelard de Bonaventure-Misséron (Romanistin): Quoi? Vous mettez du concombre au-dessus de la salade? Ahh, vous Allemands êtes vraiment des crétins.

Rüdiger Hübenschneider-Görgens (Chaosforscher): Ich stellte mich ca. 20 m entfernt vom Tisch auf und warf die Scheiben in Richtung des Salats. Welch interessante Muster, wo doch die Wahrscheinlichkeit genau dieser Anordnung nur 0,0001 betrug, interessantes Phänomen, Zeit für eine Testreihe unter idealen Bedingungen. Herr HiWi, gehen Sie bitte mal zu Aldi und kaufen Sie mal so 1000 Gurken und 10.000 Eisbergsalate. Was? Wie? So viel werden die nicht haben? Immer diese Amateure. Wie kann das sein, dass die nicht so viel haben, das ist doch ein eindeutiges Zeichen für die Geringschätzung der Naturwissenschaften in der heutigen Gesellschaft. Machense sich n Kopp, Herr HiWi!

Sabine Dremel-Huber (Dekonstruktivistin) war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, da sie zunächst die Wahrhaftigkeit des Salates und der Gurke anzweifelte. Desweiteren gab sie zu Bedenken, inwiefern das, was wir als Gurke bezeichen, wirklich eine Gurke ist, wo doch der Signifikant durchaus auch mit anderen Signifikanten verbunden sein könnte. Zudem sinnierte sie darüber nach, ob es sich beim Begriffspaar Gurke/Gorke um einen Fall von différance handeln könnten, was sie dann aber ausschloss. Weiteres Nachdenken ergab jedoch, dass dies für das Paar Salat/Salad gelten würde, da durch die Auslautverhärtung des Deutschen beide Wörter gleich klängen und sich somit nur in der Schrift unterschieden, was ein eindeutiges Zeichen für das Primat der Schrift sei. Wie dem auch sei, endlich versuchte sie dann, die Scheiben auf dem Salat zu platzieren, nicht jedoch ohne die Widersprüchlichkeit der von ihr vorgefundenen Situation dadurch zu unterstreichen, dass sie sich vor dem Platzieren ein Elefantenkostüm anzog, in oszillierenden Mustern um den Tisch schwebte und dabei die chinesische Nationalhymne sang.

Ich entschuldige mich jetzt schon für diesen Blödsinn…

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