Einige von euch werden dieses herrlich selbstreferentielle und doppeldeutige Werk von Glenn Gould wohl schon kennen. Ich hatte davon bisher nur gelesen, heute stolperte ich über die obige Aufnahme.

Da stehen sie also da, die Sänger und wollen den Fugeschreibwilligen ermutigen, seine Fuge doch einfach drauflos zu schreiben. Doch oh weh, kurz darauf heißt es, der Fugenschüler soll gar nicht auf die Sänger hören. Also doch nach strengen Regeln vorgehen? Aber Cleverness der Cleverness wegen ist wohl auch nicht angebracht. Oder gerade doch?

Ach ja, und dass Fugen überhaupt nicht aus längst vergangenen Zeiten stammen müssen, haben die von mir sehr verehrten Gentle Giant vor einigen Jahrzehten ebenso bewiesen. (Und weils so schön ist, hier noch das modernere Knots derselben Band.)

Für Interessierte folgt noch der gesamte Text von „So you want to write a fugue?“:

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Interessant ist auch, wie sich diese Geschichte verbreitet hat. Auf dem Neue-Musik-Blog der NMZ stand die Sache schon seit dem 5.8., also seit zwei Wochen. Das großen Aufsehen kam dann aber erst gestern, als die Sache beim sicherlich deutlich leserstärkeren Nerdcore auftauchte. Und zack, das Ding ist seit gestern die Topstory bei Rivva. Gewissermaßen ist die hohe Verbreitung durch die Kopie der Dank derselben an ihren Huldiger, Johannes Kreidler.

Der Neue-Musik-Komponist Johannes Kreidler hat ein 33-sekündiges Stück komponiert, in dem nach eigenen Angaben 70200 Zitate anderer Musikstücke enthalten sind. Und wie es sich für einen ordentlichen Urheber gehört, möchte er dieses Stück bei der GEMA ordnungsgemäß anmelden. Dazu muss er jedes Zitat auf einem Formular nachweisen. Die entstehende 70200 Formulare will er dann am 12.September beim GEMA-„Hauptquartier“ in Berlin abgeben. Mit dieser Aktion möchte er die Grenzen des derzeitgen Urheber- und Verwertungsrechts aufzeigen und für neue Methoden des Urheberrechtsschutzes werben. Hier der Trailer:

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Fundstücke

16. August 2008

Heut mal kurz und knackig. Drei Dinge, die mir in meinem Feedreader ins Netz gegangen sind:

In Frankreich hat man Angst um das Semikolon [via Languagehat]. Der Gebrauch dieses Satzzeichens scheint dort zurückzugehen. Verantwortlich macht man dafür (natürlich) den Einfluss der englischen Sprache. Deren Tendenz, die Dinge eher in kurzen Sätzen auszudrücken, färbe auf das Französische ab und kurze Sätze brauchen angeblich weniger Semikola. Und natürlich wird die Lust zum kurzen Satz gleich als Anfang vom Ende der langue de Voltaire Molière gesehen. Sprachapokalyptiker sind wahrscheinlich in jedem Land gleich.

Epistemologie bekommt seinen evil twin: Agnostologie, die Wissenschaft des Nicht-Wissens [via Foucault Blog]. Die Idee ist natürlich nicht so neu, wie es einem der Artikel weißmachen will – ein Schelm, wer denkt, da würde jemand nur nach Fördermitteln grasen wollen, (Ähnliches übrigens drüben bei Willyam) – aber dennoch ist der Artikel lesenswert.

Und noch was für die Augen: Der niederländische Designer Jesse van Dijk hat sich Gedanken gemacht, wie eine wegen Platzmangels in die Vertikale gebaute Stadt auf dem technischen Niveau des 17. Jahrhunderts aussehen könnte. Schwer zu erklären, lieber anschauen. (Und wer das nerdig findet, der wundere sich nicht, woher ich diesen Link habe.)

Über Languagehat habe ich heute einen sehr interessanten Artikel über das Leben eines Untertitelschreibers gefunden. Absolut lesenswert und zudem bekommt man einen Einblick in die generellen Probleme, die Übersetzen eben so mit sich bringt. Besonders nett ist die Passage, in der es um das Be-Untertiteln von Pornos geht (ja, auch sowas wird anscheinend gemacht):

As most of you will know (I assume cheekily) porn producers for some reason must insist on telling a story. In this case the story was about some bimbo trying to make it through college. She was doing a major in Spanish or in history. At one point she was attending class, you could tell because she was wearing glasses, and flaunting her knowledge about the early history of California. She was supposed to be a good student too. I forgot what it was and I’ll be damned if I go and check my archives but suddenly, and to my great horror, she mentioned a 15th century Spanish book. And she gave the title in Spanish. Get the picture? This American bimbo had probably never spoken a word of Spanish in her life before. Hell, she even lacked basic English speaking skills. That mouth was definitely not made for talking. I have a major in Spanish and I did not understand a word of it.

I was so upset that I made it a point of honour to find that book. And I did. After several hours trawling the internet I found exactly ONE webpage that mentioned the book and its Spanish title. That one subtitle alone, invoice value seventy eurocents, cost me hours of work and precious time. And, at the same time, I realized that absolutely no-one watching this flick would give a damn about this Spanish book. […]

The Spanish book was not exceptional, by the way. In another movie a scholarly-like porn actress (she too was wearing glasses to make her character credible) was reading from a marine biology book and citing various names of deep sea mollusks.

Da will einer höflich sein, wird dabei aber schon wieder unhöflich und kriegt die Konsequenzen davon direkt – d.h. eigentlich eher indirekt, dafür kostenintensiv – ins Gesicht:

[via Failblog]

P.S.: Manchmal habe ich den Eindruck, dass auf dem Failblog die Kommentare failiger sind, als die Beiträge (deswegen wurde dort wohl auch schon die Kategorie Burn of the Week eingeführt). Jedenfalls ist das, was sich dort in ellenlangen Threads unter jedem Beitrag abspielt, wirklich nur noch „FAIL“ zu nennen.

Ja, ich habe es getan, ich war letzte Woche bei den Bayreuther Festspielen und habe mir die Meistersinger an“gesehen“ (warum das „gesehen“ in Anführungsstrichen steht, dazu später mehr). Der Besuch war mit vielen vielen Eindrücken verbunden, sodass eine vollständige Darstellung aufwändig und mitunter gar (für Leser und Schreiber) ermüdend wäre. Deshalb hier ganz fragmentartig einige Episoden.

Der große Mummenschanz

So pilgern sie nun, die Reichen und weniger Reichen, die Kenner, die Möchtegern-Kenner und auch manche Banausen zum Grünen Hügel. Um die Veranstaltung gebührend zu ehren, werfen sich die allermeisten (abgesehen von dem Herrn in bayrischer Tracht und einigen Kurzbehosten) mehr oder weniger kräftig in Schale. Manchen der männlichen Zuschauer reicht ein Sakko mit T-Shirt, für andere muss es ein Gehrock sein; bei den Damen reicht das Spektrum vom Kleinen Schwarzen über Hosenanzüge bis hin zu ausladenden Kleidern. Man sah deutlich, dass die Kleidung einiger zweifelsohne ihren Preis hatte, was aber nicht immer durch ein am Ende wirklich gutes Aussehen honoriert wurde: Leider bewahrt auch Reichtum nicht vor Geschmacklosigkeit.

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[via Blaztard]

Schwarzer Kaffee, Junge. Weißt du eigentlich, wie gut der schmeckt, Junge? Echt jetzt. Äh, und wenn ich Kaffee sach, wa, dann mein ich richtich dunkel-schwarzen, kochend heißen. Äh, echt leckeren, extrem schwarzen Kaffe, Junge.

Endlich mal wieder Sinnlos im Weltraum, herrlich. Offensichtlich gibts auf Youtube doch noch einige originale Schnipsel davon. Bei meinen Suchen waren mir bisher immer nur dir eher semi-lustigen Kopien untergekommen…

Hauptsache italienisch

10. August 2008

Gestern in Bamberg gesehen:

Cappuccino? Carpaccio? Caravaggio? Is doch Wurscht, Hauptsache italienisch…

Wobei es mich bei der derzeitigen Manie, den Kaffee mit immer neuen Geschmacksrichtungen zu versehen, auch nicht wundern würde, wenn es demnächst tatsächlich Pilz-Cappuccino gäbe. In umgekehrter Richtung gibt es da ja schon einige, eher beängstigend stimmende, Experimente.

[Ich gebe übrigens zu, dass ich die Schreibweise von „Cappuccino“, „Carpaccio“ und „Caravaggio“ vorsichtshalber nachgeschlagen habe und dabei feststellte, dass ich intuitiv nur eines der Worte, nämlich „Carpaccio“, richtig geschrieben hätte. Und das als Teilzeit-Romanist (allerdings nicht Italianist), neinneinnein.]

Sie gehören am ehesten zu Typ 2: „Intensive und rebellische Musik“.

Verschiedene Studien haben herausgefunden, dass Menschen, die die gleichen Angaben wie Sie machen, gerne intensive und rebellische Musk hören. Diese klingt dann oft eher komplex und emotional. Häufig wird sie mit elektrischen Instrumenten in einem eher schnelleren Tempo mit einer hohen Lautstärke aufgenommen oder aufgeführt. Die Musikhörer mit Ihrem Musikgeschmack sind diesen Studien nach eher offen für neue Erfahrungen.

Soso, ich mag also „rebellische“ Musik, das sagt zumindest der ziemlich schick und zudem wissenschaftlich seriös daherkommende Musiktyp-Test [via Thorsten Konigorski] des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Der Test ist Bestandteil eines von selbigem Institut durchgeführten und durch die DFG geförderten Forschungsprojekts zum Thema Musik und Emotion.

Ein wenig verwundert mich das Ergebnis trotzdem. Klar, intensiv und komplex, das liegt mir schon :-). Aber dennoch hielt (und halte) ich mich eigentlich für einen ziemlich rationalen Musikhörer – ich erwische mich schon mal beim Taktartenauszählen und einige Beiträge auf diesem Blog zeigen ja auch, dass ich es zuweilen eher technisch kühl mag.

Andererseits löst ja eben diese „kühle Komplexität“ in mir auch ziemlich viele Emotionen aus :-). Sprich, ich geile mich nicht nur (das hoffe ich zumindest) an der Virtuosität der Instrumentalisten auf, irgendwie muss es immer auch ins Herz, in den Bauch gehen. Und so gesehen ist das Ergebnis des Test vielleicht doch nicht so weit hergeholt…

Nachtrag: Auf derselben Seite gibt es einen weiteren Test, der sich mit der berühmten Gänsehaut, die beim Anhören bestimmter Stücke entsteht, befasst. Hier gibt es zwar kein „persönliches“ Fazit, aber interessant ist der Test allemal (auch wenn er mir persönlich noch mehr gefallen würde, wenn sich die Musikauswahl nicht nur auf klassische Musik beschränkte. Laut eigener Seite sind aber auch solche Tests in Arbeit.)