„A Rite of Passage“ – Aber wohin?

8. Mai 2009

Mit einer der üblichen Gib-mir-deine-Daten-dann-geb-ich-dir-was-Schönes-Aktion hat Roadrunner Records vor einigen Tagen ein Stück vom neuen Dream-Theater-Album „Black Clouds & Silver Linings“ für 24h zum Download angeboten. Trotz der Datenfängerei musste ich da zugreifen, denn wenn meine musikalischen Lieblinge schon mal vorab etwas von ihrem neuen Werk veröffentlichen, kann ich mich nur schwer zurückhalten.

„A Rite of Passage“ ist auch die Single des Albums. Dies weckte zunächst die Befürchtung in mir, es könnte sich um langweiliges 4min-Radiostück handeln. Doch ich sollte zunächst beruhigt werden, knapp neun Minuten zeigte die Anzeige des Players. Also los: Play. Eindruck nach dem ersten Hören: Eher langweilig, um nicht zu sagen unteres Mittelmaß. Immerhin hatte sich nach dem zweiten Durchlauf der Refrain schon so in meinem Kopf festgesetzt, dass ich auf dem Weg zur Uni unwillkürlich anfing, ihn innerlich zu singen. Diese Eingängigkeit meine ich dabei keineswegs negativ.

Leider konnte sich mein erster Eindruck auch nach weiteren Runden im (virtuellen) Player nicht verflüchtigen: Das Stück wirkt einfach wie schon gefühlte 100 andere von Dream Theater. Das Haupt-Riff ist nett, aber nicht weltbewegend. Strophe und Bridge mehr oder weniger übliche DT-Kost.  Nach dem zweiten Refrain kommt dann der mittlerweile  für DT wirklich schon übliche – fast bin ich geneigt zu sagen: klischeehafte Breakdown, der die Instrumental-Sektion einleitet. Gähn. Und auch hier verharrt die Bandim Mittelmaß und liefert weiter nichts die üblichen Soli. Klar, Petrucci kann spielen, aber ist das eben schon lange nichts Neues mehr. Im Wesentlichen zitiert er sich selbst („The Ministry of Lost Souls“ fiele mir da spontan ein).

Kurz aufhorchen musste ich im zweiten Teil des Gitarrensolos. Oho, da kommt ja etwas Vertracktheit ins Spiel, und ein wenig abgefahrene Gitarrenarbeit. Doch dann fiel mir ein: So oder so ähnlich gab es das schon 1996 bei „Just Let me Breathe“. Ok, wollen wir aber mal nicht zu pingelig sein, immerhin ist es der erste Hinhörer des Stückes und bei fast 25 Jahren Bandgeschichte kann und sollte man über sowas hinwegsehen. Kurz darauf folgt die übliche Jordan-Dudelei, diesselbe seit „Scenes From A Memory“. Doch dann, doch dann kommt tatsächlich noch mal ein Hinhörer. Was macht der Herr Rudess den da? Das klingt ja wie ein eingestaubtes NES auf LSD! Das ist abgefahren, das ist geil, das haben die Herren noch nicht gemacht. Weiter so! Ach ne, und schon kommt der übliche Übergang und der obligatorische hinten rangeklatschte Refrain bringt die Sache zu ihrem Ende.

Ich mag Dream Theater. Sie müssen von mir aus ja auch nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, aber „A Rite of Passage“ bietet abgesehen von den zwei genannten Hinhörern wirklich nur schnöde, schon weichgekochte Kost aus dem DT-Baukastensystem. Wo sind sie denn, die ungewöhnlichen Songstrukturen? Die wirklich guten Instrumentalabfahrten? Die innovative Gitarren- und Keyboardarbeit? In „A Rite of Passage“ ist fast nichts davon zu finden. „Es ist ja auch nur die Single“, könnte man da sagen. Ja richtig, aber selbst das haben DT schon besser hinbekommen („Lie“ und – ja – auch „Pull me Under“).  Noch schlimmer wird das Ganze dann im heute veröffentlichten Video, für das das Stück reichlichst verstümmelt und selbst der beiden letzten Hinhörer beraubt wurde. Ach und viel mehr als Mittelmaß bietet das Video selbst im Übrigen auch nicht. Ob sowas wirklich neue Hörerkreise anzieht?

Ich hoffe dennoch auf das Album. Vier der Fünf restlichen Tracks haben Längen weit jenseits der 10 Minuten. Das sagt selbstverständlich gar nichts über die Qualität aus, lässt aber doch hoffen.

2 Antworten to “„A Rite of Passage“ – Aber wohin?”

  1. […] statt des schnöden neuen Tracks von Dream Theater mal was wirklich Abgefahrenes hören will, der versuche es mal mit den Montréalern von Unexpect, […]

  2. […] ich von „A Rite of Passage“ halte, habe ich schon mal zu Papier äh Bildschirm äh Festplatte gebracht. Mehr Worte kann man über diesen Song auch wirklich nicht verlieren. […]

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