Das Modul schlägt zurück

1. Juni 2009

Über ein Joker-Wort der übelsten Sorte beschwerte sich Kollege Jarchow neulich:

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Um ein wenig weiter dahinter zu kommen, begab  sich Jarchow auf den Pfad der Begrifssgeschichte und verfolgte die Geschichte des „Schrumpf-Dingsda“ von kurzgewachsenen Römern bis hin zum Bologna-Prozess. Doch halt: Auf dem Weg dorthin vergaß er eine äußerst wichtige Station: Denn nicht erst seit Bologna machen Module dem Verstand junger Menschen zu schaffen. Schon vor mehr als zehn Jahren gab es diese – nunja Band wollen wir sie nicht nennen – diesen ähem Techno-Act gleichen Namens, der sich mit Hits wie Computerliebe, Kleine Maus und 1100101 (soll ich jetzt NSFW dahinter schreiben?) anschickte, die Gehirne deutscher Teenager zu infiltrieren und nebenbei die deutschen Charts zu erobern.

So wie der Bologna-Prozess waren auch die Stücke von „Das Modul“ von großem Pioniergeist beseelt, erzählten sie doch herzerweichende Geschichten von damals (1995)  schwer im Kommen seienden Dingen wie Computer, Internet und Chat. Die Videos zeigen Menschen, die unverständliche Kommandos in hässliche (aber damals sicher  schrecklich modern wirkende) Benutzeroberflächen und Kommandozeilen großer grauer Kisten hacken. Auch die Texte spiegeln Geist der digitalen Frontier wieder: „Kleine Maus, ich klick dich an“, denn  „klicken“ klang damals noch ungewohnt und verströmte den Geruch von großer weiter Welt. Selbst die mittlerweile unsägliche „Datenautobahn“ hatte noch ihren Charme, auch wenn sie in damals meist wohl eher einem digitalen Trampelpfad entsprach. „Komm lass uns wie Binäre sein“, hier gesellt sich auch noch sprachlicher Pioniergeist dazu, die ungewöhnliche Substantivierung soll wohl das unablässige Ganz-oder-gar-nicht der digitalen Revolution untermauern, leider ohne Erfolg, mir zumindest ist dieses Wort nie wieder untergekommen.

Musikalisch bewegte man sich im damals angesagten Techno-Fahrwasser. Happy Hardcore nannte sich wohl im konkreten Fall  (daas lehrt uns zumindest Wikipedia). Auch der Aufbau der Stücke scheint arg modularisiert: Immergleiche Elemente werden immer wieder auf ähnliche Weise zu Stücken nahezu gleicher Länge kombiniert. Ja, das klingt tatsächlich nach „Schrumpf-Dingsda“-Baukasten. Und damit waren Das Modul näher an heutigen BA-Studiengängen, als man es gemeinhin wahrhaben möchte.

Eine Antwort to “Das Modul schlägt zurück”

  1. […] wer noch eine weitere Anregung braucht: Hier habe ich mich inspiriert von den Vorbereitungen zum Wettbewerb schon mal zu einem Trash-Thema […]

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