In eigener Sache: Essaywettbewerb trash|culture

12. Juli 2009

Vor knapp einem Jahr hatte ich das Vergnügen, an einer Party im – sagen wir mal – sehr studentischen ST Club in Rostock teilzunehmen. Der Alkohol war saubillig und dementsprechend benahmen sich auch die Leute. (Ganz nebenbei, der Eintritt in Flip-Flops war untersagt, da man wegen der von Glasscherben übersäten Tanzfläche nicht für die Sicherheit so leicht beschuht Tanzender garantieren konnte). Die Zusammensetzung des Publikums entsprach im Wesentlichen der rockigen Musikauswahl, sodass man glücklicherweise von glitzernden, aufgetakelten und Parfümduft hinter sich herziehenden Hupfdohlen und Hupfdohlern verschont blieb.

Plötzlich, der Abend war schon forgeschritten, ertönte zwischen Nirvana und habichvergessen David Hasselhoffs „I’ve been looking for freedom“. Man hätte nun meinen können, dass  zumindest die härtere Fraktion fluchtartig das Lokal verlassen oder sich zumindest an die Bar begeben würde. Weit gefehlt: Kaum ertönten die ersten Takte des Stückes, strömten sicher 20 (es ist ein kleiner Club) dunkel gekleidete, langhaarige Metal-Fans auf die Tanzfläche und grölten mit erhobenen Armen den Text mit. Es schien, als hätten nicht mal Iron Maiden, Slayer, oder wie auch immer ihre Götter geheißen haben mögen, mehr Euphorie in ihnen ausgelöst. Nein, „I’ve been looking for freedom“ war zumindest für die anwesenden Metaller das Ereignis des Abends, das gebührend gefeiert werden musste.

Es war mitnichten so, dass der Tequila für 80 cent den Metalfans den Musikgeschmack verweichlicht hätte. Aber was trieb stattdessen die Herren und Damen (es waren vornehmlich Herren) dazu, statt aus Missmut aus Freude den Kopf samt der daran hängenden Haare zu schütteln? Die in ihrer Kompromisshaftigkeit so kompromisslose Poppigkeit des Stückes verbunden mit der unfreiwilligen Komik, die viele Popstücke aus längst vergangenen Dekaden aufgrund wechselnder Klangvorstellungen in den Tonstudios nunmal umgibt, übte auf die Metalheads wohl einen nicht widerstehbaren Reiz aus. Aber was macht denn nun genau diese Trashigkeit von „I’ve been looking for freedom“ aus? Warum erlangen bestimmte Musikstücke oder, weiter gefasst, bestimmte kulturelle Produkte Trash-Status und warum andere nicht? Ist die Komik besagten Liedleins ausschließlich auf den in letzter Zeit eher peinlich agierenden Hasselhoff zurückzuführen?

Fragen über Fragen. Doch damit nicht genug. Denn neben solchen diskursiven Zuschreibungen gibt es natürlich auch Trash, der von vornherein als solcher produziert wird. Zudem würde es mich nicht wundern, wen bei vordergründig ernst gemeinten Zuschauerbespaßungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ ein gewisser Trash-Faktor mit einkalkuliert würde.

Dass Trash auch subversiv sein kann, weiß man allerspätestens seit South Park, eigentlich schon seit Monty Python’s Flying Circus, wobei gerade diese beiden Serien auch bewiesen haben, dass, um Trash mit vollem Gewinn zu degoutieren zu können, einiges an Grips und Diskurskenntnis notwendig ist; Eigenschaften, die im allgemeinen wohl eher der sogenannten Hochkultur zugeschrieben werden dürften.

Kurzum, Trash ist komplex und vor allem wahnsinnig spannend und interessant. Und jetzt kommt endlich das, weswegen ich diesen Beitrag schreibe: Denn zu eben genau diesem Thema organisieren derzeit einige Studierende aus der Fachschaftsinitiative Kulturwissenschaft der HU Berlin, zu denen auch ich gehöre, einen Essaywettbewerb, den wir sinnfälligerweise mit trash|culture betitelt haben. Teilnehmen können Studierende aller Fachrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Essays sollten zwischen 12000 und 15000 Zeichen lang sein. Auf die Gewinner warten eine Veröffentlichung sowie wertvolle Sachpreise von Splatting Image, Bertz + Fischer sowie Cinema Surreal. Alles weitere steht auf unserer Projektseite. Mitmachen und weitersagen!

Und wer noch eine weitere Anregung braucht: Hier habe ich mich inspiriert von den Vorbereitungen zum Wettbewerb schon mal zu einem Trash-Thema geäußert.

Abschließend gibt es noch weiteren Trash vom großartigen Jon Lajoie.

und

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