Lizenz zum Lästern

31. August 2009

Wenn man auf Reisen im Ausland ist, ja das ist toll, da kann man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und sich munter in seiner eigenen Sprache über die Mitfahrer aufregen, ohne Sanktionen zu fürchten. Das dachten sich wohl auch die beiden Französinnen, die heute mit mir in der S-Bahn standen. Doof nur, dass Französisch doch auch von dem ein oder anderen Deutschen verstanden wird. Ich konnte mir jedenfalls das Lachen ob der Unbedarftheit der beiden Damen, mit der sie ihre Kommentare äußerten, kaum verkneifen. Zunächst quittierten sie das Herumgehopse eines kleinen Jungen nur mit einem „Je déteste les gamins“ – Kinder mochten sie also nicht. Als sie besagtes Kind kurz darauf an einen nebenan stehenden Hund verfüttern wollten, musste ich mich wirklich wegdrehen, um nicht durch ein Grinsen zu verraten, dass die beiden Damen nicht die Einzigen im Zug waren, die mit Französisch etwas anfangen konnten.

Und ich fragte mich nur noch, was lustiger ist: Sich zu erkennen geben und auf die beschämten Reaktionen warten, oder still zuhören und sich innerlich totlachen, immer ein „Wenn die wüssten“ im Hinterkopf.

Nachtrag: Fripps Aphorismen

14. August 2009

Jetzt ist mir aber doch tatsächlich noch ein schöner Fripp-Aphorismus untergekommen:

Music is the cup which holds the wine of silence.
Sound is that cup, but empty.
Noise is that cup, but broken.

Wie dazu wohl die analoge Vista-Fehlermeldung lauten würde?

Dass man mitunter ein Virtuose sein muss, um Betriebssysteme von Microsoft zu bedienen, wusste ich ja schon, aber dass sich Microsoft für die klangliche Untermalung  eines besonders schwergängigen Stückes Software, nämlich des scheidenden Windows Vista, auch virtuose Sounduntermalung geholt hat, ließ mir gerade fast die Kinnlade auf die Tastatur fallen.

Robert Fripp, ja DER Robert Fripp, treibende Kraft hinter dem Prog-Dinosaurier King Crimson, hat Systemssounds für Windows Vista kreiert. Wer es nicht glaubt: Hier und hier gibt es die entsprechenden Videos.

Nun ja, auch Herr Fripp soll ja so seine Marotten haben. Von daher liegt beides wohl näher als man glaubt. Schwergängig und kompliziert sind seine Stücke allemal und um die Windungen eines guten Crimson Songs nachvollziehen zu können, ist wohl ein ähnliches Maß an Erfahrung nötig, wie für das Verfolgen der Irrungen und Wirrungen diverser Microsoft-Programmierer (Ich frage mich gerade, ob es bei MS auch Programmiererinnen gibt. Weiß da jemand mehr?). Im Übrigen haben Fripps berühmte Aphorismen auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Windows-Systemmeldungen. Da schließt sich doch der Kreis. Aber auch nur fast. Denn irgendwie macht Crimson (Fripps Solo-Ergüsse sind mir leider unbekannt) deutlich mehr Spaß als Windows Vista.

Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Nun, ich hörte gerade das erst gestern erworbene großartige Live-Album The Great Deceiver der 73/74er Crimson-Inkarnation, wollte mich auf Wikipedia etwas zu Herrn Fripp bilden und schon stolperte ich über diese unerwartete Information.

Eine Frage treibt mich jetzt noch um. Wenn Fripp (fast) so wie Vista ist, welcher Musiker ist dann wie Ubuntu? Mein erster Vorschlag: John Myung. Dezent im Hintergrund, aber doch äußerst virtuos. Andere Vorschläge?