Durchaus einige Lichtblicke

21. September 2009

Dream Theater spielen demnächst in Berlin und ich nehme das jetzt einfach mal als unkreativen Aufhänger dafür, endlich mal die Rezension ihrer letzte Platte Black Clouds & Silver Linings nachzuholen.

CD rein, los gehts. „A Nightmare to Remember“: Donner, Regen, Geatme. Jaja, wieder eines dieses bedeutungsschwangeren Prog-Intros. Klaviergeklimper. Sag ich doch. Auf einmal machts Krach. Das wäre an sich nicht besonders überraschend, im Gegenteil. Aber die Art, wie es dort Krach macht, ließ mich beim ersten Hören daran zweifeln, ob hier wirklich die neue Dream Theater im Laufwerk liegt oder nicht doch das letzte Werk von Cradle of Filth. Somit gibt es schon mal einen Überraschungsbonus für die Herren. Leider geht das nicht so weiter. Denn was danach kommt, ist zwar kein „nightmare“, aber auch nicht wirklich „to remember“. DT-Standardkost. Vielleicht etwas härter als normal, aber alles in allem nicht weltbewegend. Jordan Rudess sollte sich dringend was Neues für seine Soli einfallen lassen.

Was ich von „A Rite of Passage“ halte, habe ich schon mal zu Papier äh Bildschirm äh Festplatte gebracht. Mehr Worte kann man über diesen Song auch wirklich nicht verlieren. Skip.

Es folgt die zweite Single „Wither“, die ein gut gemachter Kuschelsong inklusive Heldensolo ist und damit an „Another Day“ erinnert. Prog ist das nicht, aber dafür ist es umso schöner zu sehen, dass DT auch mal ’normal‘ können.

Mit „The Shattered Fortress“ kommt der Abschluss der AA-Saga (AA=Anonyme Alkoholiker), in der Drummer Mike Portnoy seiner Erfahrung mit dem Alkoholismus und der Loslösung von ihm verarbeitet. Wie sich das für den letzten Teil einer solchen Suite, die als Ganzes in etwa CD-Länge haben sollte, gehört, wird hier noch mal kräftig alles Mögliche aus allen  vorangegangenen Episoden verwurstet. Wie ich finde, durchaus gekonnt. Mag sein, dass das Stück nervig zusammengestückelt klingt, wenn man die vorhergehenden Teile nicht kennt. Aber im Gesamtzusammenhang passt das. Herr Petrucci zaubert mal wieder ein exzellentes Solo hin und das Ende, an dem nochmal das erste Glass-Prison-Thema erklingt, erzeugt mir nach wie vor noch jedes Mal Gänsehaut.

„The Best of Times“ ist der Nachruf von Portnoy an seinen Vater. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, was ich dieser permanenten Ausschlachtung des eigenen Privatlebens für Songtexte halten soll. Nun ist es ja ganz schön, dass auch Progger nicht nur über Einhörner und Science-Fiction singen, aber das heißt noch nicht unbedingt, dass man den Hörer willentlich zum Voyeuristen machen sollte, schon gar nicht mit so direkten, unmissverständlichen Texten. In Bezug auf die Texte haben DT die leisten Töne wahrlich seit geraumer Zeit abgelegt. Waren Klassiker wie Metropolis, Learning to Live und Voices noch durchaus kryptisch und bedurften einiges Interpretierens, so regiert jetzt der Holzhammer. Andererseits muss ich zugeben, dass die Texte nun wahrlich nicht das zentrale Element des Dream Theater’schen Stils sind. Der Song selbst ist zwar lang, kommt aber ohne allzu großen instrumentalen Schnickschnack aus. Häufig sind Anklänge an Rush zu hören. Insgesamt merkt man hier besonders dass DT mittlerweile mehr Wert auf eingängige Melodien legen, die in verschieden Gestalten im Song wieder auftauchen. Das unterscheidet sich schon von dem Stückwerk der Anfangstage, wobei „Stückwerk“ hier gar nicht negativ gemeint sein soll, so hatten eben die Anfangstage einen Charme à la „Fünf vollkommen verrückte Virtuosen füllen viele Frickeleien in  fürchterlich lange Stücke“, während man jetzt merkt, dass die Herren deutlich arrivierter sind und ihre Ideen lieber etwas mehr auskosten, anstatt direkt zur nächsten zu springen.

Der Höhepunkt von Black Clouds & Silver Linings folgt dann am Schluss. „The Count of Tuscany“ gefällt mir wirklich von Anfang bis Ende. Das Ding ist rund, hat Spannung, Melodien und verrückte, aber dennoch geschmackvolle Instrumentalabfahrten. Das macht Spaß, davon darf es auch in Zukunft mehr geben.

Nach eher schwachem Beginn wird Black Clouds & Silver Linings dann also doch noch zum guten Album, das zwar nicht  an alte Glanztaten (scheiße, jetzt rede ich auch schon wie einer von diesen verknöcherten Rezensenten) heranreicht, aber dennoch einige sehr starke Stücke zu bieten hat. Etwas Anderes hätte vermutlich auch niemand erwartet, schade eigentlich, denn ich fände es sehr erfrischend, wenn DT mal wieder mehr wagen würden. (Es muss ja nicht gleich Zeuhl sein)

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