Lizenz zum Lästern

31. August 2009

Wenn man auf Reisen im Ausland ist, ja das ist toll, da kann man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und sich munter in seiner eigenen Sprache über die Mitfahrer aufregen, ohne Sanktionen zu fürchten. Das dachten sich wohl auch die beiden Französinnen, die heute mit mir in der S-Bahn standen. Doof nur, dass Französisch doch auch von dem ein oder anderen Deutschen verstanden wird. Ich konnte mir jedenfalls das Lachen ob der Unbedarftheit der beiden Damen, mit der sie ihre Kommentare äußerten, kaum verkneifen. Zunächst quittierten sie das Herumgehopse eines kleinen Jungen nur mit einem „Je déteste les gamins“ – Kinder mochten sie also nicht. Als sie besagtes Kind kurz darauf an einen nebenan stehenden Hund verfüttern wollten, musste ich mich wirklich wegdrehen, um nicht durch ein Grinsen zu verraten, dass die beiden Damen nicht die Einzigen im Zug waren, die mit Französisch etwas anfangen konnten.

Und ich fragte mich nur noch, was lustiger ist: Sich zu erkennen geben und auf die beschämten Reaktionen warten, oder still zuhören und sich innerlich totlachen, immer ein „Wenn die wüssten“ im Hinterkopf.

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Lustige Punks

19. Juli 2009

Traurig ist es, wenn Leute betteln müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Lustig ist es hingegen, wenn man denjenigen, die gerade noch vor der Supermarkttür geschnorrt haben, kurz darauf an der Kasse begegnet, wo sie ihre zwei Oettinger mit EC-Karte bezahlen wollen. Dumm nur, dass in meinem Stammsupermarkt die EC-Zahlung erst ab 5 Euro Warenwert möglich ist. So musste die junge Punk-Frau, der genau das letztens in meiner Gegenwart passierte, scheinbar unverrichteter Dinge von dannen ziehen. Doch so schnell ließ sie sich natürlich nicht in die Flucht schlagen, denn draußen stand ja noch ihr Kumpel, der offenbar die Tageseinnahmen verwaltete und dementsprechend liquide war. So konnte sie dann, mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, wieder an die Kasse zurückkehren und endlich ihr wohlverdientes Oettinger bezahlen, über das sich in der Zwischenzeit schon fast ihr Kassenschlangennachfolger hergemacht hätte. Als sie dann, den lang ersehnten Schatz in den Händen, den Supermarkt verließ, hörte ich sie nur in bewusst deutlich vernehmbarer Lautstärke maulen: „Hat sich nich ma entschuldigt.“ Denn offenbar hat sie die 5-EUR-Grenze als schweren Einschnitt in ihre Persönlichkeitsrechte betrachtet.

Und wo wir gerade bei lustigen Punks sind: Ich konnte meinen Ohren kaum trauen, als, vor einer ganzen Weile schon, ein Punk in der U-Bahn laut die im Berliner Fenster angezeigten Währungskurse kommentierte und dann einem Wachmann, der auf dem Weg nach Hause war, erzählte, dass er sein Geld bei günstigen Kursen immer in Zloty umtausche, um es dann, wenn die Kurse wieder gestiegen sind, in Euro zurückzutauschen. Da könne man richtig Gewinn machen.

Ich war mir nicht mal sicher, ob er das ironisch meinte…

Seit dem 11.11.2008 und noch bis zum 5.02.2009 läuft im Kino Central in Berlin die Filmreihe In This World – film.gegenwart.politik, die die Rückkehr des Politischen ins Kino der Gegenwart beleuchtet. Jeden Dienstag (und manchmal auch Donnerstag) um 18.30 Uhr werden politische Filme unterschiedlichster Machart und unterschiedlichster Herkunft gezeigt. An jeden Film schließt sich eine Diskussion zusammen mit ausgewählten Experten an.

Mehr Infos unter www.in-this-world.org

Nächstes Screening:

Di, 2.12. | 18.30 Uhr | Moolaadé (OmU)

moolaade2_neuevisionen_filmverleih2Die rituelle Beschneidung junger Mädchen wird zur dramatischen Zerreißprobe einer westafrikanischen Dorfgemeinschaft. Im Spannungsfeld zwischen Tradition, Religion und einbrechender Moderne solidarisieren sich die Frauen des Dorfes und stellen als moralische Instanz die bestehenden Werte öffentlich in Frage.

Gäste in der anschließenden Diskussion:
Dr. Susan Arndt und Daniela Hrzan
(Afrikawissenschaftlerinnen, HU Berlin)

Ich muss ja sagen, der Film ist nicht unbedingt mein bevorzugtes Medium. Ich kenne, abgesehen von den wirklich unumgehbaren, tatsächlich kaum Filme, kenne vielleicht drei Regisseure, kann mitnichten deren Stile unterscheiden und wenn es am abendlichen Kneipentisch zu Filmdiskussionen kommt, sitz ich nur daneben halte mich an meinem Bier fest und kann nicht wirklich viel beitragen, bzw. fange mitunter an, mich zu fragen, wie man sich denn darüber so lange und vor allem so emotional unterhalten kann (eigentlich müsste ich es verstehen, denn, wenns um Musik geht, bin ich ebenso engagiert bei der Sache). Irgendwie lösen Filme bei mir selten große Emotionen aus, positiv wie negativ. [Nebenbei, falls es hier irgendwem noch so geht, kann er sich ja mal melden, ich fühl mich dieser „Einstellung“ ziemlich allein auf weiter Flur.]

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Möglicherweise handelt es sich dabei auch um eine Art Aufnahmeprüfung? Wer schon so gut Deutsch kann, dass er die deutsche Passage versteht, wird das Angebot möglicherweise annehmen. Wem die Kenntnisse dazu nicht ausreichen, der wird sich wundern, warum 15 EUR/h nun so once-in-a-lifetime-mäßig (zumal in Berlin) sind…

Mehr Fails übrigens hier.

… polyrhythmisch geheadbangt?“, fragte ich Anfang des Jahres.

Seit gestern Abend weiß ich die Antwort: Nein. Die Musik dieser ihrem Namen alle Ehre machenden schwedischen Metalband ist doch headbangerfreundlicher als ich dachte, was aber nicht heißt, dass sie nicht verdammt komplex wäre.

Zudem scheinen Meshuggah in Berlin mehr Leute zu interessieren, als sich das der Veranstalter gedacht hätte. Das Kato war jedenfalls gerammelt voll. Sogar aus Spanien waren Leute angereist, weil die Jungs dort nicht spielen.

Das Gedränge führte allerdings leider dazu, dass meine Bühnensicht ziemlich eingeschränkt war. Der Freude über diese geniale – und zugegebenermaßen ziemlich kranke -Musik tat das allerdings nicht so viel Abbruch.

Wer reinhören mag, die Myspace-Seite der Kombo hat ein paar Lieder zu bieten. (Mein Anspieltipp: der absolute Klassiker der Band: „Future Breed Machine“)