Vor knapp einem Jahr hatte ich das Vergnügen, an einer Party im – sagen wir mal – sehr studentischen ST Club in Rostock teilzunehmen. Der Alkohol war saubillig und dementsprechend benahmen sich auch die Leute. (Ganz nebenbei, der Eintritt in Flip-Flops war untersagt, da man wegen der von Glasscherben übersäten Tanzfläche nicht für die Sicherheit so leicht beschuht Tanzender garantieren konnte). Die Zusammensetzung des Publikums entsprach im Wesentlichen der rockigen Musikauswahl, sodass man glücklicherweise von glitzernden, aufgetakelten und Parfümduft hinter sich herziehenden Hupfdohlen und Hupfdohlern verschont blieb.

Plötzlich, der Abend war schon forgeschritten, ertönte zwischen Nirvana und habichvergessen David Hasselhoffs „I’ve been looking for freedom“. Den Rest des Beitrags lesen »

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Über ein Joker-Wort der übelsten Sorte beschwerte sich Kollege Jarchow neulich:

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Um ein wenig weiter dahinter zu kommen, begab  sich Jarchow auf den Pfad der Begrifssgeschichte und verfolgte die Geschichte des „Schrumpf-Dingsda“ von kurzgewachsenen Römern bis hin zum Bologna-Prozess. Doch halt: Auf dem Weg dorthin vergaß er eine äußerst wichtige Station: Denn nicht erst seit Bologna machen Module dem Verstand junger Menschen zu schaffen. Den Rest des Beitrags lesen »

Als Lateinschüler kommt man sich mitunter wie in einem Dschungel vor, einem gigantischen Dickicht aus Formen, Konstruktionen, Kasusfunktionen, Partizipien und schwer zu bestimmenden Nebensätzen. Mit großer Mühe kann man sich zwar meist einen Weg bahnen, doch immer wenn man glaubt, jetzt gibt es nichts mehr, jetzt hat man ein Ende erreicht, ab jetzt wird es nur noch einfacher, stellt sich einem ein neues Hindernis in Form einer neuen Konstruktion, eines neuen Phänomens, einer neuen Besonderheit in den Weg.

Einen der größten dieser Felsen stellen wohl die sogenannten Deponentien dar. „Das sind Verben mit passiven Formen, aber aktiver Bedeutung“, erklärt sie der Lateinlehrer (oder auch Wikipedia). Klingt komisch? Ist es auch! Den Rest des Beitrags lesen »

Niklas und die Gremien

30. November 2008

Warum sind Sie für die Selbstverwaltung an den Universitäten untauglich?

Ich finde, daß man es in diesem Zusammenhang ausschließlich mit Bagatellen zu tun hat, die ihre Bedeutung nur dadurch gewinnen, daß andere sich darüber aufregen. Man kann Entscheidungen nicht delegieren. Eine Ausschußsitzung entsteht aus der anderen, und niemand glaubt einem, wenn man sagt, daß alles viel einfacher zu erledigen wäre.

Aus: Luhmann, Niklas: Biographie, Attitüden. In: Ders.: Short Cuts, 4. Auflage, Frankfurt 2002. S. 17.

Ohne Worte. Jeder, der schon mal in einem universitären Gremium gesessen hat, weiß wohl, wovon der Gute da redet.

Ich muss ja sagen, der Film ist nicht unbedingt mein bevorzugtes Medium. Ich kenne, abgesehen von den wirklich unumgehbaren, tatsächlich kaum Filme, kenne vielleicht drei Regisseure, kann mitnichten deren Stile unterscheiden und wenn es am abendlichen Kneipentisch zu Filmdiskussionen kommt, sitz ich nur daneben halte mich an meinem Bier fest und kann nicht wirklich viel beitragen, bzw. fange mitunter an, mich zu fragen, wie man sich denn darüber so lange und vor allem so emotional unterhalten kann (eigentlich müsste ich es verstehen, denn, wenns um Musik geht, bin ich ebenso engagiert bei der Sache). Irgendwie lösen Filme bei mir selten große Emotionen aus, positiv wie negativ. [Nebenbei, falls es hier irgendwem noch so geht, kann er sich ja mal melden, ich fühl mich dieser „Einstellung“ ziemlich allein auf weiter Flur.]

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Philosophische Theorien abzufassen ist schon nicht so einfach. Da baut man mitunter über Jahre hinweg ausufernde Gedankengebäude, ja -schlösser, sorgt für ordentliches Fundament, vernünftige Treppen, um auf die unterschiedlichen Ebenen zu kommen, und versieht zum Schluss noch die Fenster mit feingliedrigen Ornamenten. Wenn man nett zu den Lesern ist, macht man zudem Türen und Flure nicht zu klein, damit sich diese auch vernünftig in der Theorie bewegen können.

Und dann kommt irgendein anderer Philosoph dahergelaufen und bringt mit ein paar gezielten Griffen das Fundament und damit das ganze Schloss ins Wanken. Tolle Wolle. Da hilft nur Vorsorgen. Wie macht man das? Eine Möglichkeit wäre zu versuchen, diverse Kritiken vorherzusehen und die Gegenmaßnahmen dazu gleich im Gebäude unterzubringen.

Das dachte sich wohl auch John R. Searle, als er sein Buch „Sprechakte. Ein sprachphilosphischer Essay.“ schrieb. Den Rest des Beitrags lesen »

Der Bremer Linguistikprofessor Anatol Stefanowitsch lässt sich auf seinem Bremer Sprachblog gerne über die sogenannten „Sprachnörgler“ aus, über solche Leute also, die befürchten, die Deutsche Sprache sei durch den Einfluss des Englischen und die angebliche Gedankenlosigkeit ihrer Sprecher dem Verfall nahe. Regelmäßig nimmt er die Argumentationen solcher Sprachnörgler wissenschaftlich fundiert auseinander und zeigt, dass dahinter im Normalfall ziemlich viel heiße Luft steckt und dass das Deutsche demnach wohl eher wenig zu befürchten habe.

Letztens hat er einen Artikel des Linguisten Guy Deutscher verlinkt (sorry es kann sein, dass dieser nicht mehr verfügbar ist, da die Artikel der SZ nach einiger Zeit oftmals im kostenpflichtigen Archiv verschwinden). Dieser verfolgt solche Verfallsängste bis in die Zeit des Lateinischen zurück und zeigt, das offenbar in vielen Sprachen und Zeiten ähnliche Bedenken bestanden. Ein Absatz daraus spricht auch auf das Französische an und trifft damit ein Thema, über das ich auch schon öfter nachgedacht habe:

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Dieser Artikel liegt schon seit ein paar Tagen in meinem Entwürfe-Ordner. Mir wollte einfach kein knackiger Anfang einfallen. Also mache ich das, was alle Anfangseinfallslosen in einem solchen Falle tun: Ich flüchte mich auf die Meta-Ebene.

Tja, hier oben angekommen, ist die Luft dann doch etwas dünn. Ich könnte jetzt stundenlang über die Unmöglichkeit des Anfangs schreiben, aber im Interesse der Leser lasse ich das mal bleiben. Also wieder runnerjehüppt von de Meta-Ebene.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin bei meinen letzten Streifzügen durch die europäische Poesie auf Herrn Baudelaire gestoßen. Jaaaaaaaja, alter Hut, werden die einen sagen. Ist ja richtig, is ja richtig, der Gute ist ja nun wirklich kein Geheimtipp, was nichts daran ändert, dass ich erst vor kurzem wirklich auf seine Poesie gestoßen bin. Und wie das so passierte, kam ich direkt an einem anderen Nicht-Geheimtipp vorbei, der mir vorher nur dunkel bekannt war: Wikisource. Jene Seite also, auf der man diverse Klassiker aus Poesie, Epik, Philosophie und wasweißichnoch als Volltext abrufen kann. Schickschick. Und dort (genaugenommen hier) stürzte ich mich auf das opus magnum von Herrn Baudelaire, die Fleurs du mal. (Außerdem habe ich noch eine sehr ansprechend gestaltete PDF-Version unter CC-Lizenz gefunden.) Das erste „richtige“ Gedicht des Zyklus hat es mir dann direkt angetan:

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Sanfte Täuschung

1. August 2008

Roger Willemsen in einem Interview mit der Zeit Campus:

ZEIT Campus: Macht Bildung glücklich?

Willemsen: Es gibt ein Glück des Denkens, das durch andere Glückszustände nicht ersetzbar ist. Bildung gibt einem manchmal diese sanfte Täuschung von Orientierung, Souveränität, Durchschaubarkeit der Dinge. Aber wer glaubt, Erkenntnisse zu erwerben, um glücklich zu werden, der sollte Erkenntnisse ganz schnell abbauen.

Verdammt! Ist das jetzt ein Grund, sich zu exmatrikulieren? Das hieße dann ja allerdings, man würde Roger Willemsen blind vertrauen. Hmmmm, naja, immerhin scheint der gute ja über ein erfülltes Liebesleben zu verfügen…

Wie verteilen Sie die Gurkenscheiben auf Ihrem Salat? Eine Frage, die die Menschheit bewegt. Wir haben verschiedene Personengruppen dazu befragt.

Knut Wagenteuer (Ästhet): So, wie es gut aussieht.

Christopherus von Nefari-Hunsrück (Ästhetiker): Nun ja, ich wählte zunächst ein Muster nach alten griechischen Beschreibungen, modifizierte dieses gemäß dem „Großen Lexicon der Gastrosophie, enthaltend alle Stichworte aus allen Bereichen der Gastrosophie und der angrenzenden Disziplinen. Fünfundzwanzigste, stark bearbeitete Auflage, mit wertvollen Anmerkungen meines geschätzen Freundes, dem Dr. Schnurwagen.“ von 1745, bastelte mir eine Schablone und legte die Scheiben auf. Anhand der generellen Problematik erörterte ich diverse wahrnehmungstheoretische Fragen und gelangte zu dem Schluss, dass zwischen Antike und Aufklärung trotz vordergrüdiger Ähnlichkeiten ein radikaler Bruch in der Technik, Gurkenscheiben auf den Salat zu legen, besteht. Vielen Dank, dass sie mir diese Frage gestellt haben, das ist genug Stoff für ein neues Buch. Falls sich dieses einigermaßen verkauft, kann ich mir demnächst vielleicht auch mal wieder Gurken leisten.

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