Durchaus einige Lichtblicke

21. September 2009

Dream Theater spielen demnächst in Berlin und ich nehme das jetzt einfach mal als unkreativen Aufhänger dafür, endlich mal die Rezension ihrer letzte Platte Black Clouds & Silver Linings nachzuholen.

CD rein, los gehts. „A Nightmare to Remember“: Donner, Regen, Geatme. Jaja, wieder eines dieses bedeutungsschwangeren Prog-Intros. Klaviergeklimper. Sag ich doch. Auf einmal machts Krach. Das wäre an sich nicht besonders überraschend, im Gegenteil. Aber die Art, wie es dort Krach macht, ließ mich beim ersten Hören daran zweifeln, ob hier wirklich die neue Dream Theater im Laufwerk liegt oder nicht doch das letzte Werk von Cradle of Filth. Somit gibt es schon mal einen Überraschungsbonus für die Herren. Leider geht das nicht so weiter. Denn was danach kommt, ist zwar kein „nightmare“, aber auch nicht wirklich „to remember“. DT-Standardkost. Vielleicht etwas härter als normal, aber alles in allem nicht weltbewegend. Jordan Rudess sollte sich dringend was Neues für seine Soli einfallen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »

Eigentlich wollte ich doch keine Links mehr einfach so durch die Gegend schleudern. Aber ich habe gerade Bedürfnis danach und ohnehin schon ewig nichts mehr gepostet, deshalb jetzt also zweieinhalb Links vor der Nachtruhe:

Die Kathedrale und der Basar von Eric S. Raymond. Dieser Text scheint sowas wie das Manifest der open-source-Bewegung zu sein und hat Ende der 90er Netscape dazu bewogen, den Quellcodes seines Navigators zu veröffentlichen, was  den Anstoß für das Mozilla-Projekt gegeben hat.  (Und nebenbei habe ich bei Wikipedia noch gelernt, dass open source nicht dasselbe wie freie Software ist.)

Wer statt des schnöden neuen Tracks von Dream Theater mal was wirklich Abgefahrenes hören will, der versuche es mal mit den Montréalern von Unexpect, herrlich krank und eben nicht vorhersehbar nenne ich das. Nach dieser absoluten Reizüberflutung kann man ja vielleicht mit OSI entspannen, wobei die jetzt auch nicht wirklich durchgehend soft sind.

Ok, das waren jetzt mehr als zweieinhalb links. Mir egal.

Mit einer der üblichen Gib-mir-deine-Daten-dann-geb-ich-dir-was-Schönes-Aktion hat Roadrunner Records vor einigen Tagen ein Stück vom neuen Dream-Theater-Album „Black Clouds & Silver Linings“ für 24h zum Download angeboten. Trotz der Datenfängerei musste ich da zugreifen, denn wenn meine musikalischen Lieblinge schon mal vorab etwas von ihrem neuen Werk veröffentlichen, kann ich mich nur schwer zurückhalten.

„A Rite of Passage“ ist auch die Single des Albums. Dies weckte zunächst die Befürchtung in mir, es könnte sich um langweiliges 4min-Radiostück handeln. Doch ich sollte zunächst beruhigt werden, knapp neun Minuten zeigte die Anzeige des Players. Also los: Play. Eindruck nach dem ersten Hören: Eher langweilig, um nicht zu sagen unteres Mittelmaß. Immerhin hatte sich nach dem zweiten Durchlauf der Refrain schon so in meinem Kopf festgesetzt, dass ich auf dem Weg zur Uni unwillkürlich anfing, ihn innerlich zu singen. Diese Eingängigkeit meine ich dabei keineswegs negativ.

Leider konnte sich mein erster Eindruck auch nach weiteren Runden im (virtuellen) Player nicht verflüchtigen: Das Stück wirkt einfach wie schon gefühlte 100 andere von Dream Theater. Das Haupt-Riff ist nett, aber nicht weltbewegend. Strophe und Bridge mehr oder weniger übliche DT-Kost.  Nach dem zweiten Refrain kommt dann der mittlerweile  für DT wirklich schon übliche – fast bin ich geneigt zu sagen: klischeehafte Breakdown, der die Instrumental-Sektion einleitet. Gähn. Und auch hier verharrt die Bandim Mittelmaß und liefert weiter nichts die üblichen Soli. Klar, Petrucci kann spielen, aber ist das eben schon lange nichts Neues mehr. Im Wesentlichen zitiert er sich selbst („The Ministry of Lost Souls“ fiele mir da spontan ein).

Kurz aufhorchen musste ich im zweiten Teil des Gitarrensolos. Oho, da kommt ja etwas Vertracktheit ins Spiel, und ein wenig abgefahrene Gitarrenarbeit. Doch dann fiel mir ein: So oder so ähnlich gab es das schon 1996 bei „Just Let me Breathe“. Ok, wollen wir aber mal nicht zu pingelig sein, immerhin ist es der erste Hinhörer des Stückes und bei fast 25 Jahren Bandgeschichte kann und sollte man über sowas hinwegsehen. Kurz darauf folgt die übliche Jordan-Dudelei, diesselbe seit „Scenes From A Memory“. Doch dann, doch dann kommt tatsächlich noch mal ein Hinhörer. Was macht der Herr Rudess den da? Das klingt ja wie ein eingestaubtes NES auf LSD! Das ist abgefahren, das ist geil, das haben die Herren noch nicht gemacht. Weiter so! Ach ne, und schon kommt der übliche Übergang und der obligatorische hinten rangeklatschte Refrain bringt die Sache zu ihrem Ende.

Ich mag Dream Theater. Sie müssen von mir aus ja auch nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, aber „A Rite of Passage“ bietet abgesehen von den zwei genannten Hinhörern wirklich nur schnöde, schon weichgekochte Kost aus dem DT-Baukastensystem. Wo sind sie denn, die ungewöhnlichen Songstrukturen? Die wirklich guten Instrumentalabfahrten? Die innovative Gitarren- und Keyboardarbeit? In „A Rite of Passage“ ist fast nichts davon zu finden. „Es ist ja auch nur die Single“, könnte man da sagen. Ja richtig, aber selbst das haben DT schon besser hinbekommen („Lie“ und – ja – auch „Pull me Under“).  Noch schlimmer wird das Ganze dann im heute veröffentlichten Video, für das das Stück reichlichst verstümmelt und selbst der beiden letzten Hinhörer beraubt wurde. Ach und viel mehr als Mittelmaß bietet das Video selbst im Übrigen auch nicht. Ob sowas wirklich neue Hörerkreise anzieht?

Ich hoffe dennoch auf das Album. Vier der Fünf restlichen Tracks haben Längen weit jenseits der 10 Minuten. Das sagt selbstverständlich gar nichts über die Qualität aus, lässt aber doch hoffen.

Für die Progger unter euch (falls vorhanden):

Today I finished my drum tracks for the new Dream Theater album!

And as I normally never give away song descriptions, titles, lengths, etc….I will say just this:

Imagine a DT album with A Change Of Seasons, Octavarium, Learning To Live, Pull Me Under and The Glass Prison….all on one album….

Das also meint Dream-Theater-Schlagzeuger Mike Portnoy zum neuen Album der fünf Herren aus New York. Womit mal wieder bestätigt wäre, dass für Musiker prinzipiell und immer und überall das neueste Album das beste ist…

Drumstick

9. April 2008

Mark warf vor einiger Zeit ein Musik-Stöckchen, oder, wie er es passenderweise nennt, einen Taktstock. Da dacht ich mir, nehm ichs doch mal auf:

1. Nenne einen Song, der Dich vom Text ganz besonders berührt und begründe

Dream Theater – Endless Sacrifice. Mit diesem Lied ist für mich eine ziemlich persönliche „Situation“ verbunden. Auch wenn diese jetzt vorbei ist, berührt mich der Gedanke daran immer noch (sorry for the kitsch).

2. Nenne einen Song, der Dich von der Musik ganz besonders berührt und begründe

Schwierig. Spontan fiele mir da Genesis – Dancing with the Moonlit Knight ein (hier habe ich mich schon mal dazu ausgelassen). Ich kann es nur wiederholen: Das Melltron ist einfach gänsehautig-göttlich und überhaupt die Stimmung und der Gesang und und und und…

Kleiner Einschub: Von Text und Musik her absolut berührend finde ich Arnold Schönbergs „A Survivor from Warsaw“, fällt bei dem ganzen Rock-Krams hier zwar etwas aus dem Rahmen (ist auch kein „Song“ im eigentlichen Sinne), verdient es aber auf jeden Fall, genannt zu werden

3. Welchen Song hättest Du gerne geschrieben und warum?

Oula. Zwei Varianten: Dream Theater – Metropolis Pt. 1, weil der Instrumentalteil einfach göttlich ist (der Rest auch) und Änglagard – Skogsranden, weil mir einfach nicht klar ist, wie menschliche Wesen so etwas schreiben können. Hätte ich das Stück selber geschrieben, wüsste ich es wohl.

4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of

Immer diese Best-ofs. Und dann auch nur fünf. Naaaaaaagut.

1. Deep Purple – Smoke on the Water (die Version von „Made in Japan“, nicht diese schnarchige Studioversion, die klingt, als hätte man sie beim Kaffeetrinken im Schweizer Altenheim aufgenommen)

2. Dream Theater – Metropolis Pt. 1

3. Aphex Twin – Girl/Boy

4. Dream Theater (noch mal, weils so schön ist) – A Change of Seasons

5. Änglagard – Skogsranden (wobei mir die Entscheidung schwer fällt, welches ihrer Stücke in diese Liste gehören soll)

5. Und zum Schluss: Welche Musikscheibe beschützt Du wie Deinen Augapfel?

In Zeiten von Rechnern mit Festplatten ja nicht mehr so entscheidend, aber die beiden Änglagard-Scheiben sind mir schon wichtig (weil auch sehr schick verpackt)

Weiß nicht so recht, an wen ich es weiterreichen soll. Hmmm, vielleicht mag Refu ja? Ansonsten natürlich auch an jeden, der Lust hat.