Vor knapp einem Jahr hatte ich das Vergnügen, an einer Party im – sagen wir mal – sehr studentischen ST Club in Rostock teilzunehmen. Der Alkohol war saubillig und dementsprechend benahmen sich auch die Leute. (Ganz nebenbei, der Eintritt in Flip-Flops war untersagt, da man wegen der von Glasscherben übersäten Tanzfläche nicht für die Sicherheit so leicht beschuht Tanzender garantieren konnte). Die Zusammensetzung des Publikums entsprach im Wesentlichen der rockigen Musikauswahl, sodass man glücklicherweise von glitzernden, aufgetakelten und Parfümduft hinter sich herziehenden Hupfdohlen und Hupfdohlern verschont blieb.

Plötzlich, der Abend war schon forgeschritten, ertönte zwischen Nirvana und habichvergessen David Hasselhoffs „I’ve been looking for freedom“. Den Rest des Beitrags lesen »

Mit einer der üblichen Gib-mir-deine-Daten-dann-geb-ich-dir-was-Schönes-Aktion hat Roadrunner Records vor einigen Tagen ein Stück vom neuen Dream-Theater-Album „Black Clouds & Silver Linings“ für 24h zum Download angeboten. Trotz der Datenfängerei musste ich da zugreifen, denn wenn meine musikalischen Lieblinge schon mal vorab etwas von ihrem neuen Werk veröffentlichen, kann ich mich nur schwer zurückhalten.

„A Rite of Passage“ ist auch die Single des Albums. Dies weckte zunächst die Befürchtung in mir, es könnte sich um langweiliges 4min-Radiostück handeln. Doch ich sollte zunächst beruhigt werden, knapp neun Minuten zeigte die Anzeige des Players. Also los: Play. Eindruck nach dem ersten Hören: Eher langweilig, um nicht zu sagen unteres Mittelmaß. Immerhin hatte sich nach dem zweiten Durchlauf der Refrain schon so in meinem Kopf festgesetzt, dass ich auf dem Weg zur Uni unwillkürlich anfing, ihn innerlich zu singen. Diese Eingängigkeit meine ich dabei keineswegs negativ.

Leider konnte sich mein erster Eindruck auch nach weiteren Runden im (virtuellen) Player nicht verflüchtigen: Das Stück wirkt einfach wie schon gefühlte 100 andere von Dream Theater. Das Haupt-Riff ist nett, aber nicht weltbewegend. Strophe und Bridge mehr oder weniger übliche DT-Kost.  Nach dem zweiten Refrain kommt dann der mittlerweile  für DT wirklich schon übliche – fast bin ich geneigt zu sagen: klischeehafte Breakdown, der die Instrumental-Sektion einleitet. Gähn. Und auch hier verharrt die Bandim Mittelmaß und liefert weiter nichts die üblichen Soli. Klar, Petrucci kann spielen, aber ist das eben schon lange nichts Neues mehr. Im Wesentlichen zitiert er sich selbst („The Ministry of Lost Souls“ fiele mir da spontan ein).

Kurz aufhorchen musste ich im zweiten Teil des Gitarrensolos. Oho, da kommt ja etwas Vertracktheit ins Spiel, und ein wenig abgefahrene Gitarrenarbeit. Doch dann fiel mir ein: So oder so ähnlich gab es das schon 1996 bei „Just Let me Breathe“. Ok, wollen wir aber mal nicht zu pingelig sein, immerhin ist es der erste Hinhörer des Stückes und bei fast 25 Jahren Bandgeschichte kann und sollte man über sowas hinwegsehen. Kurz darauf folgt die übliche Jordan-Dudelei, diesselbe seit „Scenes From A Memory“. Doch dann, doch dann kommt tatsächlich noch mal ein Hinhörer. Was macht der Herr Rudess den da? Das klingt ja wie ein eingestaubtes NES auf LSD! Das ist abgefahren, das ist geil, das haben die Herren noch nicht gemacht. Weiter so! Ach ne, und schon kommt der übliche Übergang und der obligatorische hinten rangeklatschte Refrain bringt die Sache zu ihrem Ende.

Ich mag Dream Theater. Sie müssen von mir aus ja auch nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, aber „A Rite of Passage“ bietet abgesehen von den zwei genannten Hinhörern wirklich nur schnöde, schon weichgekochte Kost aus dem DT-Baukastensystem. Wo sind sie denn, die ungewöhnlichen Songstrukturen? Die wirklich guten Instrumentalabfahrten? Die innovative Gitarren- und Keyboardarbeit? In „A Rite of Passage“ ist fast nichts davon zu finden. „Es ist ja auch nur die Single“, könnte man da sagen. Ja richtig, aber selbst das haben DT schon besser hinbekommen („Lie“ und – ja – auch „Pull me Under“).  Noch schlimmer wird das Ganze dann im heute veröffentlichten Video, für das das Stück reichlichst verstümmelt und selbst der beiden letzten Hinhörer beraubt wurde. Ach und viel mehr als Mittelmaß bietet das Video selbst im Übrigen auch nicht. Ob sowas wirklich neue Hörerkreise anzieht?

Ich hoffe dennoch auf das Album. Vier der Fünf restlichen Tracks haben Längen weit jenseits der 10 Minuten. Das sagt selbstverständlich gar nichts über die Qualität aus, lässt aber doch hoffen.

Cynic – Traced in Air

25. Januar 2009

Derzeit bei mir in Dauerrotation: Cynic – Traced in Air.

Mitte Dezember durfte ich die durchgeknallten Ami-Progger im Vorprogramm von Opeth sehen. Das Interesse an dieser Band, die 1993 ihr erstes und bis letztes Jahr auch einziges Album veröffentlicht hatten, bestand schon zwar vorher, war dann aber endgültig geweckt. Zu verrückt und wunderbar waren die verzwirbelten Gitarrenlinien, immer wieder unterbrochen von stets angeschrägten cleanen Passagen; zu unwirtlich war die Gesamtstimmung, die sich aus der (zugegebenermaßen ziemlich krude erscheinenden) Kombination von technisch klingenden Gitarrenlinien mit hohem, nicht kreischendem Gesang und tiefen Growls, ergab, als dass ich mit damit nicht hätte näher beschäftigen wollen.

Das Technische kommt auf CD natürlich noch viel deutlicher zum Vorschein. Das ist ja durchaus – wenn auch nicht immer –  mein Ding. Traced in Air klingt kühl. Hart schon, aber stets kontrolliert und konzentriert, richtig brachiale Ausbrüche gibt es nicht. Dennoch hat es gerade der Anfang hat es in sich: Eine verfremdete Stimme, Soundeffekte, ein Rhythmus setzt ein. Ein Riff, das später wieder aufgenommen wird, deutet sich an. Mehr Drumming. Dann über dem Drumming der langgezogene Gesang von Paul Masdival. Die Spannung baut sich immer weiter auf und mündet dann in einem wunderbaren, für Cynic wohl typischen Doppelschlagriff (ich nenn das jetzt mal so, Erklärung auf Anfrage), zudem sich sofort eine zweite Gitarrenstimme gesellt. Doch das Geriffe hält nicht lange an. Auf einmal kommt eine meditative cleane Passage. Man ist schon im zweiten Stück der Platte, dem großartigen „The Space for This“, das kurz darauf mit einem ähnlich netten Doppelschlagriff aufwartet und sogar über, der Progger hört und staunt, einen richtigen, gar eingängigen Refrain verfügt. Und ein schickes Solo hat das Stück auch noch.

In diesem Stil geht es dann so weiter, bis die leider viel zu kurzen 34 Minuten der Platte vorbei sind. Alles in allem in jedem Fall eine sehr interessante, abgefahrene, inspirierende Platte. Ab und zu würd ich mir lediglich wünschen, dass sie nicht ganz so technisch und dafür etwas mehr auf die Zwölf daherkäme, aber man kann ja nicht alles haben. Und zur Abwechslung kann ich zwischen die Stücke der Cynic-Scheibe ja das ein oder andere Bloodbath-Stück schieben…

Für die Progger unter euch (falls vorhanden):

Today I finished my drum tracks for the new Dream Theater album!

And as I normally never give away song descriptions, titles, lengths, etc….I will say just this:

Imagine a DT album with A Change Of Seasons, Octavarium, Learning To Live, Pull Me Under and The Glass Prison….all on one album….

Das also meint Dream-Theater-Schlagzeuger Mike Portnoy zum neuen Album der fünf Herren aus New York. Womit mal wieder bestätigt wäre, dass für Musiker prinzipiell und immer und überall das neueste Album das beste ist…

Dass man so ziemlich jeden Popsong ohne Weiteres vermetalen (wie schreibt man das, wenn man nicht geschwollene Formulierungen wie „in die Musikrichtung des Heavy Metal überführen“ schreiben will) kann, düfte ja hinlänglich bekannt sein. Dass es auch andersherum vorzüglich geht, ist an sich auch keine Neuigkeit, aber trotzdem habe ich das selten in so guter Form gesehen, wie es Hellsongs [via Jeriko] machen:

Freudig durch die Gegend hüpfen, statt headbangen, auch mal was…

Und wer davon nicht genug kriegen kann, die Jungs und das Mädel haben u.a. auch Jump und Paranoid gecovert.

Da sage doch noch einer, in Kopien stecke keine Kreativität, nicht wahr, Herr Kreidler?

P.S.: Auf der Myspace-Seite der Band gibt es noch Cover der Maiden-Klassiker „The Trooper“ und „Run to the Hills“.

Man sehe sich das mal an.

[via Nerdcore]

Dort meint jemand (#4) dazu:

Sehr lustig die Vorstellung, dass ein paar hundert Metalheads bei ‘nem Slayer Konzert diese Dinger auf dem Kopf haben und Headbanging betreiben. Inklsive der Band.

Nunja, noch lustiger fände ich es eigentlich bei Bands wie Dimmu Borgir und Co., dann natürlich in extra bunter Version, harhar. Angesichts des ziemlich geringen zwischen den Leuten bei solchen Konzerten könnte das allerdings recht schmerzhaft werden…