Über ein Joker-Wort der übelsten Sorte beschwerte sich Kollege Jarchow neulich:

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Um ein wenig weiter dahinter zu kommen, begab  sich Jarchow auf den Pfad der Begrifssgeschichte und verfolgte die Geschichte des „Schrumpf-Dingsda“ von kurzgewachsenen Römern bis hin zum Bologna-Prozess. Doch halt: Auf dem Weg dorthin vergaß er eine äußerst wichtige Station: Denn nicht erst seit Bologna machen Module dem Verstand junger Menschen zu schaffen. Den Rest des Beitrags lesen »

Als Lateinschüler kommt man sich mitunter wie in einem Dschungel vor, einem gigantischen Dickicht aus Formen, Konstruktionen, Kasusfunktionen, Partizipien und schwer zu bestimmenden Nebensätzen. Mit großer Mühe kann man sich zwar meist einen Weg bahnen, doch immer wenn man glaubt, jetzt gibt es nichts mehr, jetzt hat man ein Ende erreicht, ab jetzt wird es nur noch einfacher, stellt sich einem ein neues Hindernis in Form einer neuen Konstruktion, eines neuen Phänomens, einer neuen Besonderheit in den Weg.

Einen der größten dieser Felsen stellen wohl die sogenannten Deponentien dar. „Das sind Verben mit passiven Formen, aber aktiver Bedeutung“, erklärt sie der Lateinlehrer (oder auch Wikipedia). Klingt komisch? Ist es auch! Den Rest des Beitrags lesen »

Möglicherweise handelt es sich dabei auch um eine Art Aufnahmeprüfung? Wer schon so gut Deutsch kann, dass er die deutsche Passage versteht, wird das Angebot möglicherweise annehmen. Wem die Kenntnisse dazu nicht ausreichen, der wird sich wundern, warum 15 EUR/h nun so once-in-a-lifetime-mäßig (zumal in Berlin) sind…

Mehr Fails übrigens hier.

Der Bremer Linguistikprofessor Anatol Stefanowitsch lässt sich auf seinem Bremer Sprachblog gerne über die sogenannten „Sprachnörgler“ aus, über solche Leute also, die befürchten, die Deutsche Sprache sei durch den Einfluss des Englischen und die angebliche Gedankenlosigkeit ihrer Sprecher dem Verfall nahe. Regelmäßig nimmt er die Argumentationen solcher Sprachnörgler wissenschaftlich fundiert auseinander und zeigt, dass dahinter im Normalfall ziemlich viel heiße Luft steckt und dass das Deutsche demnach wohl eher wenig zu befürchten habe.

Letztens hat er einen Artikel des Linguisten Guy Deutscher verlinkt (sorry es kann sein, dass dieser nicht mehr verfügbar ist, da die Artikel der SZ nach einiger Zeit oftmals im kostenpflichtigen Archiv verschwinden). Dieser verfolgt solche Verfallsängste bis in die Zeit des Lateinischen zurück und zeigt, das offenbar in vielen Sprachen und Zeiten ähnliche Bedenken bestanden. Ein Absatz daraus spricht auch auf das Französische an und trifft damit ein Thema, über das ich auch schon öfter nachgedacht habe:

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Dieser Artikel liegt schon seit ein paar Tagen in meinem Entwürfe-Ordner. Mir wollte einfach kein knackiger Anfang einfallen. Also mache ich das, was alle Anfangseinfallslosen in einem solchen Falle tun: Ich flüchte mich auf die Meta-Ebene.

Tja, hier oben angekommen, ist die Luft dann doch etwas dünn. Ich könnte jetzt stundenlang über die Unmöglichkeit des Anfangs schreiben, aber im Interesse der Leser lasse ich das mal bleiben. Also wieder runnerjehüppt von de Meta-Ebene.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin bei meinen letzten Streifzügen durch die europäische Poesie auf Herrn Baudelaire gestoßen. Jaaaaaaaja, alter Hut, werden die einen sagen. Ist ja richtig, is ja richtig, der Gute ist ja nun wirklich kein Geheimtipp, was nichts daran ändert, dass ich erst vor kurzem wirklich auf seine Poesie gestoßen bin. Und wie das so passierte, kam ich direkt an einem anderen Nicht-Geheimtipp vorbei, der mir vorher nur dunkel bekannt war: Wikisource. Jene Seite also, auf der man diverse Klassiker aus Poesie, Epik, Philosophie und wasweißichnoch als Volltext abrufen kann. Schickschick. Und dort (genaugenommen hier) stürzte ich mich auf das opus magnum von Herrn Baudelaire, die Fleurs du mal. (Außerdem habe ich noch eine sehr ansprechend gestaltete PDF-Version unter CC-Lizenz gefunden.) Das erste „richtige“ Gedicht des Zyklus hat es mir dann direkt angetan:

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Fundstücke

16. August 2008

Heut mal kurz und knackig. Drei Dinge, die mir in meinem Feedreader ins Netz gegangen sind:

In Frankreich hat man Angst um das Semikolon [via Languagehat]. Der Gebrauch dieses Satzzeichens scheint dort zurückzugehen. Verantwortlich macht man dafür (natürlich) den Einfluss der englischen Sprache. Deren Tendenz, die Dinge eher in kurzen Sätzen auszudrücken, färbe auf das Französische ab und kurze Sätze brauchen angeblich weniger Semikola. Und natürlich wird die Lust zum kurzen Satz gleich als Anfang vom Ende der langue de Voltaire Molière gesehen. Sprachapokalyptiker sind wahrscheinlich in jedem Land gleich.

Epistemologie bekommt seinen evil twin: Agnostologie, die Wissenschaft des Nicht-Wissens [via Foucault Blog]. Die Idee ist natürlich nicht so neu, wie es einem der Artikel weißmachen will – ein Schelm, wer denkt, da würde jemand nur nach Fördermitteln grasen wollen, (Ähnliches übrigens drüben bei Willyam) – aber dennoch ist der Artikel lesenswert.

Und noch was für die Augen: Der niederländische Designer Jesse van Dijk hat sich Gedanken gemacht, wie eine wegen Platzmangels in die Vertikale gebaute Stadt auf dem technischen Niveau des 17. Jahrhunderts aussehen könnte. Schwer zu erklären, lieber anschauen. (Und wer das nerdig findet, der wundere sich nicht, woher ich diesen Link habe.)

Über Languagehat habe ich heute einen sehr interessanten Artikel über das Leben eines Untertitelschreibers gefunden. Absolut lesenswert und zudem bekommt man einen Einblick in die generellen Probleme, die Übersetzen eben so mit sich bringt. Besonders nett ist die Passage, in der es um das Be-Untertiteln von Pornos geht (ja, auch sowas wird anscheinend gemacht):

As most of you will know (I assume cheekily) porn producers for some reason must insist on telling a story. In this case the story was about some bimbo trying to make it through college. She was doing a major in Spanish or in history. At one point she was attending class, you could tell because she was wearing glasses, and flaunting her knowledge about the early history of California. She was supposed to be a good student too. I forgot what it was and I’ll be damned if I go and check my archives but suddenly, and to my great horror, she mentioned a 15th century Spanish book. And she gave the title in Spanish. Get the picture? This American bimbo had probably never spoken a word of Spanish in her life before. Hell, she even lacked basic English speaking skills. That mouth was definitely not made for talking. I have a major in Spanish and I did not understand a word of it.

I was so upset that I made it a point of honour to find that book. And I did. After several hours trawling the internet I found exactly ONE webpage that mentioned the book and its Spanish title. That one subtitle alone, invoice value seventy eurocents, cost me hours of work and precious time. And, at the same time, I realized that absolutely no-one watching this flick would give a damn about this Spanish book. […]

The Spanish book was not exceptional, by the way. In another movie a scholarly-like porn actress (she too was wearing glasses to make her character credible) was reading from a marine biology book and citing various names of deep sea mollusks.

Rules Grammar Change!

2. August 2008

No more will rules English follow. This by Onion the today announced was [Languagehat via]!

New nothing to me, idea had Master Yoda in the 70s this already. Look (inversion no here):

Also nothing new me to is, German of speaker am I because. Always invert we everything. Even worse in Latin is. Romans freaky.

Edit: Announcement the Onion’s contained also the hint that these rules Grammar changed based on Old English are. In the comments found I a link to Karl Hagen’s medievalist (serious) description of syntactic differences between present-day English and Old English. Quite interesting since many of the used in Old English principles still in contemporary German exist.

Wie angedroht, sollen auch meine letzten Reiseerfahrungen hier ihren Platz finden. Diese kleine Begebenheit trug sich auf der Torre Tavira in Cádiz zu. In diesem Turm gibt es eine camara obscura, d.h. einen dunklen Raum, in dem die aktuelle Sicht auf die Stadt per Spiegel auf eine Leinwand projiziert wird. Durch Drehen des Spiegels konnte man nach und nach einen Rundumblick auf diese wunderschöne Stadt gewinnen. Eine Angestellte des Turmes gab die entsprechenden Erklärungen dazu, eine Stadtführung von oben sozusagen: immer zuerst einen Teil auf Spanisch, dann auf Englisch. Kurz vor Ende der Vorstellung richtete sich unser Blick auf die Neustadt und ihren sehr sehr langen Strand…

Nun ist es ja so, dass das Spanische keinen Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen kennt. Eine spanische Muttersprachlerin hat also Schwierigkeiten, etwa ein kurzes von einem langen I zu unterschieden. Somit wird das Wort „beach“ auch mal ganz schnell zum Wort naaaa? Zu welchem Wort? Und genau das passierte bei der Erklärung zur oben beschriebenen Szenerie. Die Dame sagte:

And now we can see the New Town, where there are all the bitches. And these little spots here are the people who are in the bitches. (Das englische ältere Ehepaar neben mir lächelte wissend.)

Autsch.

Ist das nicht unser aller (damit meine ich uns Blogger) Problem? Jenes Problem, das uns nächtelang vorm PC hocken lässt, wohlwissend, dass wir, ohne das wir dem Unrechthabenden die Meinung gegeigt haben, sowieso nicht schlafen könnten?

Sprachblogger Anatol Stefanowitsch hat den passenden Comic dazu aufgetrieben (gezeichnet von einem gewissen Randall Munroe) und gleich noch übersetzt.