Über ein Joker-Wort der übelsten Sorte beschwerte sich Kollege Jarchow neulich:

Was dieses allgegenwärtige Wort ‚Modul’ eigentlich sei, wenn man sich darunter wirklich mal etwas vorstellen wolle, das verlangte ein Freund gestern zu wissen. Wir wälzten also diverse Nachschlagewerke und googelten uns dumm und dämlich, um zum Resultat zu kommen, dass es sich wohl um ‚ein kleines Irgendwas’ oder ein ‚Schrumpf-Dingsda’ handeln müsse. Auch ‘Baustein’ wäre eine halbwegs akzeptable Übersetzung.

Um ein wenig weiter dahinter zu kommen, begab  sich Jarchow auf den Pfad der Begrifssgeschichte und verfolgte die Geschichte des „Schrumpf-Dingsda“ von kurzgewachsenen Römern bis hin zum Bologna-Prozess. Doch halt: Auf dem Weg dorthin vergaß er eine äußerst wichtige Station: Denn nicht erst seit Bologna machen Module dem Verstand junger Menschen zu schaffen. Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Niklas und die Gremien

30. November 2008

Warum sind Sie für die Selbstverwaltung an den Universitäten untauglich?

Ich finde, daß man es in diesem Zusammenhang ausschließlich mit Bagatellen zu tun hat, die ihre Bedeutung nur dadurch gewinnen, daß andere sich darüber aufregen. Man kann Entscheidungen nicht delegieren. Eine Ausschußsitzung entsteht aus der anderen, und niemand glaubt einem, wenn man sagt, daß alles viel einfacher zu erledigen wäre.

Aus: Luhmann, Niklas: Biographie, Attitüden. In: Ders.: Short Cuts, 4. Auflage, Frankfurt 2002. S. 17.

Ohne Worte. Jeder, der schon mal in einem universitären Gremium gesessen hat, weiß wohl, wovon der Gute da redet.

Sanfte Täuschung

1. August 2008

Roger Willemsen in einem Interview mit der Zeit Campus:

ZEIT Campus: Macht Bildung glücklich?

Willemsen: Es gibt ein Glück des Denkens, das durch andere Glückszustände nicht ersetzbar ist. Bildung gibt einem manchmal diese sanfte Täuschung von Orientierung, Souveränität, Durchschaubarkeit der Dinge. Aber wer glaubt, Erkenntnisse zu erwerben, um glücklich zu werden, der sollte Erkenntnisse ganz schnell abbauen.

Verdammt! Ist das jetzt ein Grund, sich zu exmatrikulieren? Das hieße dann ja allerdings, man würde Roger Willemsen blind vertrauen. Hmmmm, naja, immerhin scheint der gute ja über ein erfülltes Liebesleben zu verfügen…

Ooch, ist er nicht putzig, unser Niklas, wie er da ganz schüchtern seinen Zettelkasten erklärt? Und dieses Büro: so herrlich chaotisch.

„Ich muss immer aufpassen, dass … die richtige Stelle, also wenn die mal verloren sind, dann sind sie also nur durch Zufall wiederzuentdecken.“

Angesichts seiner Theorien und seiner ursprünglichen Tätigkeit als Verwaltungswissenschaftler hatte ich immer gedacht, Niklas Luhmann wäre ein ganz aufgeräumter, hartherziger Mensch, in dessen Büro alles fein säuberlich und thematisch geordnet in Regalen untergebracht ist. So kann man sich täuschen: Eigentlich kommt er doch ziemlich sympathisch rüber. Und naja, von „spießiger Ordnung“ kann man bei diesem Büro auch nicht sprechen…

Nachtrag 07.04.08: Wer sich selber mal (allerdings in elektronischer Form) einen Zettelkasten anlegen möchte, der findet hier das passende Freeware-Tool.