Dass man mitunter ein Virtuose sein muss, um Betriebssysteme von Microsoft zu bedienen, wusste ich ja schon, aber dass sich Microsoft für die klangliche Untermalung  eines besonders schwergängigen Stückes Software, nämlich des scheidenden Windows Vista, auch virtuose Sounduntermalung geholt hat, ließ mir gerade fast die Kinnlade auf die Tastatur fallen.

Robert Fripp, ja DER Robert Fripp, treibende Kraft hinter dem Prog-Dinosaurier King Crimson, hat Systemssounds für Windows Vista kreiert. Wer es nicht glaubt: Hier und hier gibt es die entsprechenden Videos.

Nun ja, auch Herr Fripp soll ja so seine Marotten haben. Von daher liegt beides wohl näher als man glaubt. Schwergängig und kompliziert sind seine Stücke allemal und um die Windungen eines guten Crimson Songs nachvollziehen zu können, ist wohl ein ähnliches Maß an Erfahrung nötig, wie für das Verfolgen der Irrungen und Wirrungen diverser Microsoft-Programmierer (Ich frage mich gerade, ob es bei MS auch Programmiererinnen gibt. Weiß da jemand mehr?). Im Übrigen haben Fripps berühmte Aphorismen auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Windows-Systemmeldungen. Da schließt sich doch der Kreis. Aber auch nur fast. Denn irgendwie macht Crimson (Fripps Solo-Ergüsse sind mir leider unbekannt) deutlich mehr Spaß als Windows Vista.

Wie ich ausgerechnet jetzt darauf komme? Nun, ich hörte gerade das erst gestern erworbene großartige Live-Album The Great Deceiver der 73/74er Crimson-Inkarnation, wollte mich auf Wikipedia etwas zu Herrn Fripp bilden und schon stolperte ich über diese unerwartete Information.

Eine Frage treibt mich jetzt noch um. Wenn Fripp (fast) so wie Vista ist, welcher Musiker ist dann wie Ubuntu? Mein erster Vorschlag: John Myung. Dezent im Hintergrund, aber doch äußerst virtuos. Andere Vorschläge?

Nicht zu glauben

20. November 2008

Ich schreibe diese nArtikel gerade nicht unter Windows, sondern zum allerersten mal unter Ubuntu.  Das läuft hier gerade als Live Session (also nicht installiert, sondern komplett von CD laufend).

Unfassbar: Ja ok, das Hochfahren dauerte eine Weile, da eben komplett von CD, aber dann, aber dann? Ging anscheinend alles. ALLES. Selbst das WLAN, was ja angeblich bei Ubuntu immer so eine Schwachstelle ist. Das Betriebssystem ist komplett startbereit. Nach 10 min! Als langjähriger Windows User weiß ich gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll…

Manmanman.

Der Wechsel wird sicher nicht lange auf sich warten lassen, und ich hoffe, Ubuntu hält das, was es mir hier gerade so vollmundig verspricht.

Soeben bei Robert aufgelesen: Die Maschinen haben, als sie die Matrix konstruierten, einen Fehler gemacht, sie wählten Windows als Betriebssystem:

In diesem Zusammenhang fiel mir allerdings wieder ein, dass sich Windows auch wehren kann [via Nerdcore]:

Und was kommt als Nächstes? Happy Feet mit Linux-Pinguinen?

Gibt es in Bezug auf die Computernutzung Mentalitätsunterschiede zwischen Europa und Amerika? Ja, befand Stefan Betschon kürzlich in der NZZ [via histnet]. Und diese gehen angeblich auf die unterschiedlichen Akzeptanz von Computertechnik bei den 68ern zurück.

Während in Kalifornien die politisch bewegten Studenten, Hippies und Acid Heads sich auf die Computertechnik stürzten, weil sie sich davon eine Stärkung ihrer Gegenkultur erhofften, vereinigten sich die protestierenden Studenten Europas in der Ablehnung der Informatik.

Später heißt es gar:

In Kalifornien dagegen gehörte Computertechnik zur Kultur der progressiven Jugend wie Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Im Verlauf der 1970er Jahre machten sich die kalifornischen Altachtundsechziger daran, die PC-Branche zu gründen. «Wir verdanken alles den Hippies», lautet der Titel eines Essays, in dem der amerikanische Journalist Stewart Brand 1995 für die «Times» die Entstehung der PC-Branche beschrieb.

Dies ales stehe im radikalen Kontrast zur angeblich allgemeinen Technikfeindlichkeit der europäischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Mag ja alles sein, aber irgendwie ist mir das zu schematisch (vielleicht bin ich auch nur zu jung). Ich würde schon meinen, dass mittlerweile auch eine ganze Menge Europäer die potenzielle Subversivität des Computers erkannt haben und andersherum auch der ein oder andere Amerikaner seinen PC eher als dunkles Medium, dem er völlig ausgeliefert ist, begreift.

Völlig zustimmen würde ich allerdings mit Folgendem (für mich auch unabhängig, ob dies- oder jenseits des Atlantiks):

So wie ein Bittsteller vor der Durchreiche, so treten noch heute viele Menschen vor ihren Windows-PC. Es ist ein persönlicher Computer, er gehört ihnen, sie könnten diese Maschine vollständig kontrollieren, sie könnten andere Software laden, ein neues Betriebssystem bauen – sie könnten, aber sie tun es nicht, sie verharren passiv in der Rolle des Endanwenders.